erben

Meine erste Assoziation, als ich die Einladung erhielt zum Thema „Erbe“ zu schreiben, war: „Immaterielles Kulturerbe“. Erstaunlich, oder?

Zum Immateriellen Kulturerbe (http://www.unesco.at/kultur/immat_kulturerbe.htm) zählen Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Konkret umfasst das immaterielle Kulturerbe mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, das Wissen und die Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste sowie traditionelle Handwerkstechniken.

Das UNESCO Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, welches im Rahmen der 32. Generalversammlung der UNESCO im Jahr 2003 beschlossen wurde, hat sich den weltweiten Schutz des immateriellen Kulturerbes zum Ziel gesetzt. Seit der österreichischen Ratifizierung des Übereinkommens im Jahr 2009 ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der nationalen Umsetzung des Übereinkommens betraut. Zu den Hauptaufgaben zählen dabei die Förderung von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für die Erhaltung, Vermittlung und Förderung des immateriellen Kulturerbes in Österreich sowie die Erstellung eines österreichischen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes. Derzeit befinden sich mehr als 80 Traditionen in dem österreichischen Verzeichnis und erstmals zwei österreichische Traditionen („Falknerei“ und „Fasnacht Imst – Schemenlaufen“) auf der internationalen „Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“.

Ich will mehr wissen und schau im Duden nach und lese:

Das Erbe (die Hinterlassenschaft) war bereits bei den Germanen und Kelten ein Rechtsbegriff (Duden Band 7 von 10 Dudenverlag 1963) im Zusammenhang mit dem verwaisten schutzlosen Kind und bedeutete ursprünglich „Waisengut“. Heute wird als Erbe / Erbin der/die NachlassempfängerIn und das Vermögen als Erbschaft bezeichnet.
Die Verben erben / beerben / vererben reimen sich auf sterben. Zufällig?

Sterben war ein verhüllender Ausdruck von starr werden und ist (Marko Ikonic http://sterbekultur.uni-graz.at/ps/ikonic_marko.pdf )seit dem 9. Jh. bezeugt und eigentlich ein Euphemismus. Das ‚verbotene‘ Wort wurde mittels zahlloser Ausweichbegriffe umschifft (wie z. B. mit umkommen, verrecken, Harakiri begehen, auf dem Friedhof landen, …). Die rekonstruierte west-germanische Wurzel lautet *sterb-a-. Als weitere Bezüge sind die zu altfranzösisch sterva, altenglisch steorfan und altnordisch Stjarfi zu nennen, wobei letzteres Wort mit der Bedeutung ‚Starrkrampf‘ noch besonders deutlich auf das semantische Grundkonzept des ‚Erstarrens‘ verweist während das englische starve durch Bedeutungsverengung heute den Tod durch Verhungern bezeichnet.

Was also bedeutet für mich das Leben und Sterben? Was bedeutet für mich immaterielles Kulturerbe? Ohne zu zögern denke ich: Labyrinth. Das Labyrinth ist ein materielles und immaterielles Erbe zugleich, wenngleich niemand weiß, wer die Erblasser_nnen waren.

Das materielle Erbe ist die labyrinthische Struktur.
klassisch_struktur_rechts klassisch_faden_rechts

Abb.: Erwin Reissmann https://blogreissmann.wordpress.com/

Das Labyrinth ist Erbe, ist Hinterlassenschaft von Unbekannten. Ich bin die Waise, das verwaiste schutzlose Kind, das Schutz und Heimat erfährt durch das Labyrinth, Schutz und Heimat mit dem Labyrinth und Schutz und Heimat im Labyrinth.
Klingt seltsam, oder?
War es dazu gedacht? Ich zweifle keine Minute. Der Zeitbogen spannt sich über 5000 Jahre. Das Erbe liegt vor uns Erb_innen.
Welchen Schutz und welche Heimat bietet das Labyrinth? Im Mahabharata (Verfilmt von Peter Brook https://www.youtube.com/playlist?list=PLB6D851FFCF7F946F ) ist es ebenso zu finden wie an einem Türstock in Zürich – zur Abwehr böser Geister.
Was macht das Labyrinth mit uns Menschen? Was machten / machen wir Menschen mit dem Labyrinth?

Ein Teil meiner Antwort sind die zwei Gedichte. Der Erfahrungsraum, das gemeinsam Gespräch ist damit eröffnet. Machst du dich auf den labyrinthischen Weg, das immaterielle Kulturerbe antretend ?

Das immaterielle Erbe ist die Erfahrung, sich durch diese Struktur zu bewegen. Schritt für Schritt diesen gehend zeigt sich der Ariadnefaden.

Aus meinem Lyrikband labyrinthisches leben & labyrinthischer tod (Erschienen in der Edition IK 2015,
Bestellmail: verein-ik@aon.at )
zwei Gedichte

 

es ist
ein hin und
ein her
ein auf und
ein zu
ein schauen
und schlafen
ein leben
ein sterben
ein geboren werden
und vergehen
ein nass
und ein trocken werden
ein frieren
und schwitzen
ein schlucken
und spucken
ein gehen
ein stehen
ein hören
und taubsein
ein hungern
und sattsein
ein begreifen
und nichtverstehen
ein öffnen
und verschließen
ich bin
ein strafen
und sich selbst strafen
ein tief tauchen
und auftauchen
ein bewegtsein
und ein trösten
ein erschöpftsein
und schweben aus glück
ein vorwärts eilen
und rückwärtsgehen
danke
für deine
Geduld
deine
Ungeduld
erkenne ich
in mir

 

ein weitere text zum thema zeit

 

die zeit
zeichnet die steine
die zeit
zeichnet die welt
die zeit
zeitigt dich
der raum
atmet die steine
der raum
atmet die welt
der raum
beraumt dich
in zeiträumen
leben
in raumzeiten
sterben
das leben
träumt dich

 

Das Labyrinth ist Erbe, ist Hinterlassenschaft von Unbekannten. Ich bin die Waise, das verwaiste schutzlose Kind, das Schutz und Heimat erfährt durch das Labyrinth, Schutz und Heimat mit dem Labyrinth und Schutz und Heimat im Labyrinth.

Klingt seltsam, oder?
War es dazu gedacht? Ich zweifle keine Minute. Der Zeitbogen spannt sich über 5000 Jahre. Das Erbe liegt vor uns Erb_innen.

Welchen Schutz und welche Heimat bietet das Labyrinth? Im Mahabharata (Verfilmt von Peter Brook https://www.youtube.com/playlist?list=PLB6D851FFCF7F946F ) ist es ebenso zu finden wie an einem Türstock in Zürich – zur Abwehr böser Geister.

Was macht das Labyrinth mit uns Menschen? Was machten / machen wir Menschen mit dem Labyrinth?
Ein Teil meiner Antwort sind die zwei Gedichte. Der Erfahrungsraum, das gemeinsam Gespräch ist damit eröffnet. Machst du dich auf den labyrinthischen Weg, das immaterielle Kulturerbe antretend ?

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: