Venedig – Sehnsucht und Untergang. eine labyrinthische Erfahrung

Oktober 24, 2016

Venedig – Sehnsucht und Untergang
eine labyrinthische Erfahrung

Venedig. Licht. Wasser. Kanäle. Brücken. Renaissancepaläste. Vivaldi. Handels- und Kriegschiffe. Finanzzentrum. Glas. Touristenmassen. Fluch. Verfall. Weltkulturerbe. Karneval. Biennale. Gondeln. Hochwasser. Donna Leon. Sehnsucht. Untergang.

Etwas Mystisches hält die kleinen 118 Inseln zusammen. Ihre Verbindung, ein Ganzes, diese Stadt: Venedig. Durch Jahrhunderte bereist, als unbegreiflich, unfassbar, wunderbar und immer wieder erstaunlich erlebt. Beschrieben mit unzulänglichen Worten nur. Eine unbeschreibbare Stadt. Beschreibbar das Leben der Menschen. Ihr Leben. Und Wirken. In Venedig klingt und schwingt die Vergangenheit, die Gegenwart – doch keine Zukunft.

Antonio Lucio Vivaldi. Kein Wunderkind. Aus nicht begütertem Haus ist für ihn der einzige Zugang zu Bildung die Ausbildung zum Priester. Er gibt gesundheitliche Gründen an,  um sich vom Priesteramt zurückzuziehen. Er arbeitet als Lehrer für Violoncello und Violine an dem Ospedale della Pietà, einem Waisenhaus für Mädchen so erfolgreich, dass es heißt, dort gäbe es die beste Musik der Stadt. Er beginnt zu komponieren. Das Haus wird bald zu einem europaweit bekannten Musikkonservatorium. Vor 300 Jahren begann seine Karriere mit der Aufführung seines Oratoriums Juditha Triumphans.

Venedig, diese Inselwelt, wird untergehen –  im wahrsten Sinne des Wortes, untergehen, im Wasser versinken, ertrinken.

Papua Neuguinea ist der drittgrößte Inselstaat der Welt. Er wird auch untergehen. Doch nicht im Wasser untergehen sondern in der Vulkanasche. Vulkanasche erstickt. Nimmt die Luft. Nimmt so das Leben. Papua Neuguinea ist eine Vulkaninsel. Eine Feuerinsel.

Entstehung – Entwicklung – Untergang – Sehnsucht – Entstehung – Untergang – Entwicklung – Entstehung – Sehnsucht – Untergang – …..
Zeitepochen . Zeitphasen. Gezeiten. Zeiten. Zeit

die zeit
zeichnet die steine
die zeit
zeichnet die welt
die zeit
zeitigt dich

der raum
atmet die steine
der raum
atmet die welt
der raum
beraumt dich

in zeiträumen
leben
in raumzeiten
sterben
das leben
träumt dich
Ja. Das Leben träumt dich. Venedig träumt sich. Der Vulkan erträumt eine neue Inselwelt. Und ich?

die Zeit
in Altersringen
im Baum
als Sediment
im Gestein
ein Korallenfinger
der Ewigkeit
Zeit
als Herzschlag
in mir

Zeiten verändern. Sich. Mich. Uns. Alle. Alles. Zeiten. Wenden. Zeitenwenden.
ZeitenWenden

I.

In uralten Zeiten – so wird in Papua Neuguinea erzählt und so erzähle auch ich – in uralten Zeiten, lebte eine alte Frau, die von allen Muhme genannt wurde.

Zu jener Zeit, so wird in Papua Neuguinea erzählt, kannten die Menschen das Feuer noch nicht. Doch ich erzähle es euch so: Zu jener Zeit, als das Feuer noch frei war, lebte in Maiwara eine alte Frau, die von allen Muhme genannt wurde.

Damals wurde Yams und Taro in dünne Scheiben geschnitten und vom Feuer der Sonne getrocknet. Davon ernährten sich die Menschen.

Muhme machte es ebenso für zehn junge Männer, die sie versorgte, doch machte sie es anders für sich. Sie zog, wenn die Jünglinge auf Jagd waren und sie sich unbeobachtet wähnte, Feuer zwischen ihren Beinen hervor und kochte Yams und Taro für sich selbst. Das war lange ihr Geheimnis. Doch nichts bleibt, wie es war; nichts bleibt, wie es ist. Eines Tages geriet versehentlich, es geschah doch versehentlich, oder? ein Stück gekochtes Yams in das Essen der Männer. Dieses so unerwartet weiche und schmackhafte Stückchen – wie war es dazu nur geworden?

Die Männer fragten Muhme nicht danach. Warum sie nicht fragten, wird nicht erzählt in Papua Neuguinea und auch ich weiß es nicht, könnte nur Vermutungen anstellen. Die Männer, sie sprachen an jenem Abend nur untereinander und beschlossen miteinander einen Plan.

Der Jüngste von ihnen versteckte sich am nächsten Tag, beobachtete und erzählte später den anderen alles. Gemeinsam beschlossen sie (oder gab es eine Gegenstimme, die überstimmt wurde?) da sie den Nutzen des Feuers erkannten, Muhme das Feuer zu stehlen.

Sie fällten zuerst den mächtigsten Baum. Am nächsten Tag schnappte der Jüngste von allen der überraschten Muhme einen Feuerbrand weg. Er rannte davon und sprang über den gefällten Baum, der für die alte nachlaufende Muhme zum Hindernis wurde, doch verbrannte er sich dabei seine Hand und ließ den brennenden Span fallen. Das Feuer erfasste zuerst das Gras und dann geriet alles in Brand. Die Schlange Garabuiye schreckte hervor und fing dabei Feuer. Da ließ es die alte Muhme regnen und so ward das Feuer gelöscht.

Nach einer langen Weile kamen die Jünglinge aus ihren Verstecken hervor, doch sahen sie kein Feuer mehr. Garabuiye, die Schlange, aber hatte sich in eine Vertiefung einer Palme zurückgezogen, gleichwohl ihr Schwanz noch etwas brannte. Das bemerkten die Jünglinge, brachen ihr den Schwanz ab und setzten damit schnell zusammengesammeltes Holz in Flammen. Davon angelockt kamen aus den benachbarten Dörfern neugierig die Leute herbei und nahmen Feuer mit sich. So kam, wird erzählt, in uralten Zeiten das Feuer unter die Menschen.

Das Feuer. Und die Menschen. Das Sonnenfeuer gibt, was für Menschen Voraussetzung ist, um zu leben und um zu sehen, der Erde: Wärme und Licht. Feuer – in ihm liegt der Ursprung der Erleuchtung. Das Feuer und die Frau. Muhme kannte das Feuer, denn das Feuer kam aus ihr selbst, aus ihrem Schoß.

Mit der Gebärmutter zu denken, war vor Zeiten eine allgemeine Wahrheit. Unser Heute wurzelt im Damals. Unser Bewusstsein ist von Geschichte geprägt und prägt die Geschichte zurück und nach vorne.

Das Sanskritwort für Weisheit  , so weiß man, liegt in der Wurzel mt , woraus sich nicht nur die Namen der Weisheitsgöttin Maat (die die Ordnung des Universums in Gestalt der Uräusschlange verkörpert), und der Weisheitsgöttinnen Mut und Metis ableiten sondern auch die Worte Mater (die Mutter), Materie und Matrix, die Gebärmutter. Was einst eins war, wurde durch Zweifel entzweit in die Polaritäten Geist und Materie und eint sich wieder zum Ganzen, wird heil, heute, da die Physik die Einheit beider bestätigt und damit uralte Wirklichkeit vergegenwärtigt.

Die sich im Dunklen zurechtfindende Schlange beeindruckt uns, die wir ohne Licht nichts sehen. Im Babylonischen Mythos zeugten Ningal und Sin

Zwillinge. Die Erstgeborene war Ischtar. Sie, die kriegerische, wurde auch Fackel des Himmels und der Erde  genannt.

Zeitreise. Weltreise. Zeitenwende, Wegwende. Zurück in Venedig.  Im Großen Saal des Dogenpalasts. Das Fresko: Die Marienkrönung, auch Paradiesbild genannt. Tintoretto malte auch das „Paradies“. Es zeigt Christus und Maria umringt von Menschen. Es ist das größte Tafelbild der Welt. Im Palazzo Barbarigo della Terrazza wird die biblische Paradieserzählung gezeigt. Paradies. Zeitenwende. Gedankenwende.

Weiter will ich erzählen. Ja, lasst mich weiter erzählen von anderen uralten Zeiten und uralten Orten. In uralten Zeiten – so wird hierzulande erzählt und so erzähle auch ich – in uralten Zeiten, gab es ein Paradies. In jener uralten Zeit, so wird erzählt, kannten die ersten Menschen Adam und Eva die Sünde noch nicht, lernten sie jedoch kennen, durch Eva, die der Schlange nicht widerstand, in den Apfel biss und seitdem alle Menschen mit dieser Erbsünde geboren werden. Doch ich erzähle es euch so:

In uralten Zeiten lebten Eva und Adam im Paradies. Beide hatte eine gute Zeit dort und waren durchaus zufrieden. Sie hatten genug zu Essen und Trinken, sie hatten genug Abwechslung und Spaß, sie hatten genug Vertrautes. Ja, eines Tages hatten sie von allem genug. Es reichte. Ihr. Sie hatte Lust auf Neues, in diesem Fall Lust auf Erkenntnis, vielleicht sogar Erleuchtung. Heute lässt sich das nicht mehr so genau sagen. Es reichte jedenfalls. Und wenn es reicht, dann ist Widerstand angesagt. Wie ein Knäuel, das mit der Zeit abgewickelt worden ist, entwickelte sich dieses Gefühl in ihr, dieses Bedürfnis, bis nichts mehr war wie es war: Der rote Faden lag vor ihr und es lag an ihr, etwas zu tun. Doch vor dem Handeln liegt bei jeder klugen Frau das Denken und so war es auch bei Eva. Zuerst sprach sie. In welcher Sprache sie sprach, darüber lässt sich nur spekulieren. Für sicher jedoch kann gelten: Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch.

Die Sprache / des Widerstandes  / ist alt wie die Welt und / ihr Wunsch.

Seit exakt dem Moment, als Eva die Sprache als ein Mittel des Widerstands benutzte,  positiv formulierend das Angebot der Schlange mit einem lauten und klaren JA annahm. Denn nicht ist überliefert, dass Adam Eva je widersprochen hätte. Gab es Ursache, dass Eva Adam widersprechen musste? Im Paradies zu jener zeitlosen Zeit war alles voll von Harmonie und Übereinstimmung. Noch gab es kein Duett, kein Solo, da Einstimmigkeit. Ein wahrlicher Engelsklang in manch heutigen Ohren! Betrachten Sie es von der musikalischen Seite. Zwölftonmusik für ein ganzes Orchester, das kam erst später, dann als uns Menschen die Hölle offenstand. Auch ein Angebot, das nicht unterschätzt werden sollte, meinen Sie nicht?

Ein JA das ein NEIN herausforderte. NEIN, du sollst nicht länger hier im Paradies weilen. NEIN, du hast die Hölle auf Erden verdient! Auch der patriachale Gott wusste bereits damals, dass Evas Leistung zu Widersprechen von epochaler Bedeutung war, eine Leistung, die belohnt werden sollte, geehrt und gewürdigt.  Das zuvor Undenkbare wurde bewusst: Wir sind zwei Mann und Weib und Weib und Mann, reichen an die Gottheit an…….Mozart fügt diesen Worten seine göttliche Musik hinzu, vermählt die Dualität, lässt sie wieder zu einer Einheit werden.

Sie tun sich schwer im Folgen? So soll es sein. Denken sie eigenständig, seien Sie kein/e MitläuferIn, NichtdenkerIn. Das ist bitter nötig in solch politischen Zeiten wie diesen, die eigentlich immer sind. Schon ewig. Seit Adam und Eva eben, seit ihr JA das göttliche NEIN hervorrief. Evas Macht war groß! Betrachten Sie alles einmal von diesem Standpunkt! Der patriarchale Gott war gereizt, ungeduldig, gekränkt in seinem göttlichen Stolz, dass Ihm wer widerspricht. Widerspricht! Richtig. Widerspruch. Da lernte er zum ersten Mal die Sprache des Widerstandes kennen. Brüllt sie Eva ihm ins Ohr? Ein Glück – es gab keine Zeugen. Vor cora publica verhöhnt zu werden, ist seine Sache nicht. Und doch konnte Jahwe nicht verhindern, dass sich diese Sache herumsprach. Allerdings in etwas geändertem Inhalt, wenn Männer es weitererzählten. Sie wissen, wie Männer sind.

Adam, ein bisschen weniger intelligent als Eva, sie war diejenige, die mit Gott diskutierte, und der nun ausbaden musste, was sie ihm eingebrockt hatte (wie hätte er ihr widersprechen können und ihr Apfel-Angebot nicht annehmen können, sie waren doch im Paradies! Einen Streit vom Zaun brechen, war ein Unding! Um ehrlich zu sein, er hatte in Wirklichkeit eigentlich gar keine andere Wahl. Er, der sich nach dem paradiesischen Gesetz hielt, wurde bestraft, aus dem Paradies verstoßen.) Die Erde musste er pflügen im Schweiße seines Angesichts.

Klar, dass Adam da wütend wurde, wo er doch auch nicht verstand, was da vor sich gegangen war. Adam schob die Schuld auf Eva, weil Gott mit gutem Beispiel voran ging und in alter paradiesischer Gewohnheit, folgt er Gott und schob ebenfalls alle Schuld auf Eva. Gott hatte kein Einsehen, dass Er einen Fehler gemacht hatte.

Der uneinsichtige Gott-Vater, sein Herz wird versteinert und es kommt so weit, dass er Vater Abraham auffordert, den Sohn am Altar zu opfern. Ihm. Der Sohn widersprach dem Vater nicht und der Sohn des Vaters nicht seinem Vater und so weiter und sofort und damit wurde die militärischen Strukturen des Gehorsams entwickelt. Unhinterfragter Gehorsam, weil vor Zeiten nicht alles nach Gottes Willen gegangen war. Kinderrevolte. Aufstand gegen den Vater.

Kein Aufstand gegen die Mutter, die Mütter? Wo standen jemals in der Geschichte Töchter gegen Mütter, opferten Mütter gehorsam ihre Töchter? Mütter opferten ihre Töchter, aber unter Wehklagen, nie freiwillig! Freiwillig. Wo war der freie Wille im Paradies? Immer schon da. Nur nicht entwickelt. Da lag es, das Knäuel. Aufgerollt, unbeachtet, Jahrhunderteleben – bis Eva endlich, endlich durch die Schlange darauf aufmerksam wurde. Es bedurfte der Schicksalsgöttinnen, die Fäden des Knäuels abzuwickeln. Göttin Ariadne kannte den Weg, wusste den Faden zu gebrauchen. Theseus, ohne aller Kenntnis darüber (ähnlich also wie Adam vor ihm), folgte Ariadnes Anweisungen. Entwickeln um zu wissen, zu erkennen.

Erkenntnis hatte Eva im Paradies noch keine, ehe sie das Schlangenangebot annahm, doch eine große Portion Intuition, der sie folgte. Warum sollte sie nicht gottgleich werden wollen? Warum Bescheidenheit, sich fügen, wo keine Notwendigkeit besteht? Not-Wendigkeit? Gab es eine Not zu wenden? Sie waren doch im Paradies. Also gab es keine Notwendigkeit, sich an Gebote zu halten. Dass sie durch ihre Wendigkeit eine gewissen Not herbeiweltete – alles hat seinen Preis. Wir leben in einer Welt des sogenannten Freien Marktes: Angebot und Nachfrage. Einmal bitte eine Welt mit Gott! Für mich bitte eine ohne! Wählen Sie, suchen Sie aus, aus unserem Sortimente. Gott der beste Handelsvertreter der Galaxie?!

Adam und Eva, am Beginn der Welt. Immer noch die ersten dieser Welt, in dieser Reihenfolge. Zuerst der Mann und dann die Frau. Historisch, geschichtlich, machtpositionierend gleichwohl nicht mehr hinter vorgehaltener Hand gesagt werden muss, nein, die Wissenschaftler schreien es über die Medien in die Welt (mit Hilfe von Redakteurinnen? Mehr aus Freude vor der Neuentdeckung als dem Neuen, alles veränderndem Inhalt?): „Wir Menschen haben eine Urmutter! Der erste Mensch war weiblich. Europa stammt von sieben (die Alten haben es ja schon immer gewusst, dass Magie dabei im Spiel ist) Frauen ab. Nachweislich, anhand der DNA-Analysen. Kein Aprilscherz, gleichwohl eine Aprilmeldung im Jahr 2000, die Schlagzeile:

Sieben Urmütter für alle Europäer. ( Anm.: Die übliche Ausrede: Es war kein Platz mehr für das Innen .) Der Artikel: Alle Europäer stammen von sieben Frauen ab, die vor rund 45.000 Jahren sieben unterschiedliche Clans begründeten. Dies erklärte Bryan Sykes, Professor für Humangenetik der Universität Oxford. Er nannte seine Studie Die sieben Töchter der Eva  und gab den Urmüttern der Europäer (Anm.: das fehlende Innen ist nur noch zur Kenntnis zu nehmen) auch Namen, damit man (Anm.: wohl eher: Mann) sich richtige Menschen (Anm.: soso!) vorstellen könne: Ursula, Xenia, Tara, Helene, Katrine, Valda und Jasmine. Zu deren Vorfahren erklärte Sykes, es scheine so, als seien die sieben europäischen Clans aus einem der drei genetischen Clans hervorgegangen, die im heutigen Afrika lebten. Demnach und der Logik des Studientitels folgend, müsste Eva zwei Schwestern gehabt haben. Die aber hat Sykes noch nicht benannt.

So alt wie die Welt – die Sprache des Widerstandes. Nein. Hier haben wir den Beweis vor uns liegen! Es gibt keine Legende, keine Religion, die uns berichten würde, die drei Frauen hätten sich gestritten. Sie lebten friedlich und paradiesisch, solange, bis Adam mit seinem patriarchalen Gott kam und sie ihm leider, sie bedauerten es wirklich, widersprechen mussten. Und das historische NEIN, das Leben und Tod bedeutete, das erste NEIN sagte kein Mann zu einer Frau, keine Frau zu einer Frau, es sagte Eva zu Gott.

Und ihr Wunsch? Ihr Wunsch: Zeiten wenden

Zeitenwende. Gedankenwende. Venedig, diese Inselwelt, wird untergehen –  im wahrsten Sinne des Wortes, untergehen, im Wasser versinken, ertrinken. Untergang. Verlust. Trauer. Schmerz. Innehalten. Stillstand der Welt.

Irgendwann. Irgendwann wird aus der Stille Neues geboren.

Ebenso versinken Mythen, ertrinken alte Weltbilder, veraltete Vorstellungen und Werte. Sich wandeln. Transformieren –  neu entstehen. Auch wir.
Das neue Venedig werden wir nicht miterleben – nur seinen Untergang.

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labyrinthisch-gutes-rutschen: 13 … 14 !

Dezember 31, 2013

licht lichtblick durchblick schattenspiele freude

licht lichtblick durchblick schattenspiele freude

genussvolle erfahrungen wunderbaren seins

blume

die kunst zu wandeln

laby

das alles
einen guten rutsch ins neue jahr 2014
und noch viel mehr
wünscht dir
ilse


labyrinthische erfahrung in neunkirchen

November 1, 2013

ein spaziergang im stadtpark,
dessen 110 jähriges bestehen vor kurzem gefeiert wurde,
führt auch zu einem großflächigen wiesenplatz,
auf dem unterschiedlich hohe baumstämme aus der wiese ragen
beim näherkommen sind zwei eingänge zu sehen

Bild
der linke führt direkt ins zentrum, wo sich ein alter baumstumpf befindet,

Bild
der rechte  führt  (nicht überschaubar) weiter
Bild

die unterschiedlichen höhen der baumstämme laden –
wie ich beobachten konnte, kinder und erwachsene
zum balancieren ein.

insgesamt sind es 16 wendungen die der Weg nimmt,
der rhythmisch in sieben Spuren in viertel- und halbkreisen ums Zentrum schwingt.
es bedarf eines sich bewussten einbremsens,
um nicht direkt am zentrum zum ausgang weiterzugehen.

das zentrum (der baumstumpf) im zentrum wird von manchen umrundet;
von manchen bestiegen wie ein berg.
ja, es bedarf eines schritts hinauf, um ins zentrum zu gelangen
und dann eines weiteren schritts hinauf, um auf dem baumstumpf zu stehen.
wer von dort oben seine/ihre stimme erklingen lässt, hört einen hall ….

in diesem labyrinth gibt es vieles zu entdecken und zu erkunden –
zum beispiel auch die energie, die kraft des platzes:
wer sich entspannt nach vorne beugt, registriert
das beginnende schwingen des armes –
nicht an jeder stelle, aber an einigen ….

das labyrinth liegt still auf einem ruhigen platz.
es führt (laut befragungen) menschen mehr ins außen als ins innen –
mehr in die kraft und aktivität, die für die außenwelt benötigt wird.

jedes labyrinth hat seinen eigenen charakter
und jede labyrinthbegehung ist eine begegnung
mit sich, dem labyrinth und den menschen, die sich auch darin befinden

es geht um die verbindung, die kommunikations
in der natur mit der nautr und allen ihren aspekten
dieses labyrinth ist von der eu kofinanziert
somit kommt auch eine politisch verbindende komponente hinzu

die baumstämme waren einst lebendige bäume
verbunden das leben mit dem tod
der tod mit dem leben

allerheiligen, allerseelen
zeitlose transformationen im hier und jetzt
vorstellbar, unvorstellbar
bereits entdeckt und noch zu entdecken


von übergängen und anderem

Dezember 26, 2012

der lange mayazyklus ging zu ende,
ohne dass die welt unterging
der neue zyklus begann
mit lauten und eindrücklichen demonstrationen
für frauenrechte in indien
….
der herbst war
der winter hat (mit tauwetter) einzug gehalten
….
mit oder ohne ritual wird
in wenigen tagen aus 2012 ein 2013

übergänge vollziehen sich
unbemerkt, unmerklich
von einem zustand in einen anderen
eine nuance mehr kälte und
regentropfen gefrieren an  zweigen
die glasklar unantastbar eingepackt
eine nuance mehr wärme
und schon tropft das verwandelte eis
von den bäumen
dir auf die nase

übergänge über brücken, gewässer,
über stufen und höhen
über gedachte breiten- und längengrade
wesentliche und irrelevante
übergänge
untergänge

geht nicht immer etwas unter?
geht nicht immer etwas auf?
die sonne, der mond und die sterne?
die knopse, die blüte – der knopf ?
wir sind so gewohnt in unserer westlichen kultur
in der dualität zu denken u leben
und das ist die welt ja auch
die kinder schaukeln auf und ab
wir machen die augen auf und zu
wir atmen ein und aus
und das leben, die welt kann schön sein !
und das leben, die welt kann brutal und grausam herzlos sein!

der lange mayazyklus ging zu ende,
ohne dass die äußere welt unterging
innenweltenuntergänge geschehen
veränderungen, übergänge
im nachspüren
welcher wind woher weht
wohin er sanft
beinahe unmerklich sanft lenkt
segeln mit hilfe der wellen
lenken und lernen
den winden zuhören
begreifen, wovon sie singen
führen und berühren lassen
mitsingen


labyrinthische betonungen

November 17, 2012

BEIM LESEN DES WORTES „WEG“ GIBST DU DIESEM SINN.
WIE BETONST DU DIESES ? WELCHE BEDEUTUNG HAT ES FÜR DICH?
UNBEWUSST UND ASSOZIATIV IST DIE ENTSCHEIDUNG GEFALLEN,
DIE DIR GAR NICHT WIE EINE ENTSCHEIDUNG SCHEINT:
„WEG“ IST „WEG“.
JA, ABER ……….
weg: „der Weg“ oder
weg: „weg“ (=fort)?

das wort führt uns in unsere labyrinthische geschichte!

Ich bewege mich auf (m)einen Weg. Dieser mag geradeaus führen oder verschlungen sein, egal: Ich folge diesem und geh auf diesem. Solange bis …
ich mich von diesem vorgegebenen Weg wegbewege. Sei es, dass ich mich rechts oder links davon ins freie Feld bewege oder gar abhebe in eine andere Dimension (erklettere z.B. den Apfelbaum).

* Egal wohin ich mich auch bewege, ich geh Schritt für Schritt. Ich hinterlasse eine (im/materielle) Spur, die mein Weg ist.
Nur wenn ich einen Weg vor mir sehe / vor mir habe und diesem nicht mehr weiter folge, verlasse ich diesen und geh einfach fort und weg.
* Steh ich allerdings (ein oder mehrmals) vor / auf einer Kreuzung, treffe ich auch Entscheidungen. Das ist das irrgartenartige Gehen.
* Hab ich keinen Weg vor Augen, kann ich auch keinen Weg verlassen und weggehen. Dann gibt es kein Weggehen sondern nur ein Gehen. Das ist das labyrinthische Gehen.

So einfach. So gut.
Der Weg hat Begrenzungen. Trete ich über diese hinweg, habe ich sie überschritten, Grenzüberschreitungen. Anders gesagt: ich weite meine Grenze aus. Welche Nuancen liegen in diesen beiden Sichtweisen!

labyrinthische betonungen. klangliche. inhaltliche.

° waren von 1999 bis 2012 alle jährlichen TLS konferenzen  in den USA, so ist die 15. labyrinth-konferenz 2013  in Canada.
° waren von 2001 bis 2012 alle labyrinth-tagungen im dt sprachraum im dt sprachraum, so wird die 7. labyrinth-konferenz in riga (lettland) sein.
° waren seit 2001 die labyrinthischen halbjährlichen treffen in wien, so wird nach dem 22.  das 23. treffen in salzburg, das 24. treffen in graz sein.

das labyrinth geht weg vom vertrauten. geht neue wege. überschreitet grenzen. weitet den raum, erweitert die grenzen! … the labyrinth goes further !
das labyrinth erreicht neue ufer, neues land, neue menschen, neue welten …

was sind also weg-wendungen anderes als das beschreiten eines neuen weges? das alte ist weg, der alte weg verlassen. das neue liegt vor mir/uns. altes u neues sind wege. persönlich als temporär erlebt, auf der metaebene, im vogelflug bilden altes und neues einfach eine einheit ! irgendwann war alles mal neu. irgendwann ist alles mal zurückliegend. Wo befindest du dich gerade auf deinem weg? wie erlebst du ihn? als verlust oder gewinn? der weg ist der weg ist der weg : du gibst ihm seine bedeutung.

alle wegwendungen wurden – unabhängig voneinander – 2012 getroffen.
wurden sie getroffen? führte das labyrinthe selbst alle dahin?

walk the line …….  ariadnes thread …….
wake up 🙂 …….. listen ! ……….be aware ….  love


heute: 31. oktober 2012

Oktober 31, 2012

heute der tag
der die nacht mit sich bringt
die wundern und staunen gebiert
geboren – gestorben
und wieder:geburt
der zeitenbogen klanglos
flatternd im all
der wind streicht
über die köpfe hinweg
erreicht unser herz
begegnung der welten
begegnen
den ahninnen und ahnen
den urururmüttern
den urururvätern
augen und blicke
ewige augenblicke
und ein erkennen
tragen weiter und fort
laden ab, lassen los
wir wirbeln und fegen
werden gefegt
werden gewirbelt
heute die nacht
die wundern und staunen gebiert
schreien und lachen
schaudern und weichen
entgleist, entglitten
erlitten, erlebt
gebebt und geliebt
heute der tag
der die nacht gebiert
und
ich
bin
was ich war
nie sein werde
wortlos
wortreich
im labyrinth
ein teil und alles
der unverständlich
stehenden eins
aus der unendlichkeit
geboren und gestorben
aller heiligen
aller seelen
wir erkennen
und grüßen einander

1711: Laura Bassi: Philosophin, Europas erste Professorin für Physik

1796: Ottilie von Goethe: Verlegerin und Salonnière

1854: Geraldine Moodie: Fotografin(Kanada)

1896: Ethel Waters: Schauspielerin und Sängerin (USA)

1903: Joan Robinson: Ökonomin (GB)

1939: Herlinde Koelbl: Fotografin und Fotojournalistin (D)

1950: Zaha Hadid: Architektin (Iran, GB)

1952: Andrea Breth: Regisseurin (D)

1971: Erstmals in der Schweiz dürfen die Frauen Bei den Nationalratswahlen wählen. Das ermöglicht 10 weibliche Abgeordnete im Parlament.

ein gutes Ziel zum Surfen: http://frauenzeit.at.tf/


das labyrinth – der zauberflöte zweyter theil … erlebenswert!

August 20, 2012

am 9. august sah ich die aufführung, für deren neuinszenierung alexandra lietke verantwortlich war. sie hat ihre chance genutzt – meine gratulation ! wer noch die möglichkeit hat, am 24.  bzw. 26. august die vorstellung sehen zu können, dieser/diesem sei dies ausdrücklich empfohlen 🙂

das team: ivor bolton (musikalische leitung), r.o. voigt (bühne), s. bisovsky und e. binder-neurer (kostüme), phi. haupt u p. bandl (lichtanimation bzw. licht), ismael ivo (choreografie) sowie alle spielfreudigen sängerInnen, engagierten musikerInnen und alle anderen, die ich hier nicht weiter aufzähle, zeigten überzeugend im residenzhof ihr können. die labyrinth-welt von 1798 kam 2012 an:  das gelungene zusammenspiel auf allen ebenen trugen zu einem gelungenen vergnüglich stimmigen abend auf hohem niveau bei.