labyrinthisch eben

Januar 8, 2017

In den Nachrichten die Meldung, dass der Minister mehr Kontrolle wünscht. Alle Autokennzeichen sollen mit Videokameras der Autobahnen erfasst werden. Der andere Minister will, dass Verdächtige mit Fußfesseln ausgestattet werden. Die beiden beginnen Datenschutz und damit Freiheit neu definieren zu wollen. Die Grenzen sollen enger werden.

Wem dient das? Zahlen, Daten, Fakten belegen: Nicht der Terrorbekämpfung. Wem also dann? Den Machtgelüsten alter Herrenriegen, die Unwahrheiten sagen, Fakten missinterpretieren, größenwahnsinnig sind und unsterblich sein, nicht auf andere hören, nicht dazulernen wollen und die sich als Sonne im Planetensystem sehen.
In der Türkei wird jede kritische politische Meinungsäußerung mit Gefängnis geahndet. Der Staatspräsident wurde mehrheitlich gewählt. Was macht die Minderheit? Auswandern? Gefoltert im Gefängnis sterben? Angepasst weitermachen?

Die EU will seit Jahren nicht wahrhaben, dass der syrische Präsident kein verlässlicher Vertragspartner ist. Mit Konsequenzen. Zum Leid der hungernden Bevölkerung, die Demokratie wollte und heute mehr denn je will. Die Gegenwart schlägt einen Bogen durch die Geschichte. Der Mann, der Nero zu sein meint. Ihm gehören Grenzen gesetzt. Er sollte unter Kontrolle gestellt werden. Doch zu jedem Spiel und auch zu diesem Machtspiel gehören immer zwei bzw. mehrere.

Manche Menschen werden klüger. Manche lernen nicht dazu, auch nicht nach Welt-/kriegen. Tagtäglich Gewalt weltweit in allen Nuancen, Entwicklungsstufen. Politische und familiäre. Weltweit. Gezielt gegen Frauen und Mädchen. In den USA, in Indien, bei uns. Fakten schaffen: 53:47 Frauenquoten überall und Frauenrechte als Menschenrechte im Außen. Wertewandeln im Inneren. Sonst wählen Frauen auch weiterhin ihre Unterdrücker, jene, die sie verachten. Sonst leben Männer weiterhin ihre Gewalt und Machtphantasien aus wie ungezügelte Tiere.

Werden die Fäden der Seele entwirrt, zeigt sich Licht. Werden die Fäden der Gefühle entwirrt, zeigen sich Verstand und Barmherzigkeit. Werden die Fäden der Macht entwirrt, zeigt sich: Es gibt kein Zauberwort, keinen Papa, keine Mama, die die Welt retten.
Einzig auf sich selbst zurückgeworfen liegt es an jeder und jedem, eigenständig und kritisch zu denken, lebensfroh selbständig zu sein, eigenverantwortlich im Sinne des Gemeinwohls zu entscheiden.
Wie viele Beispiele gibt es dafür! Ob Nelson Mandela, Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee, Tawakkol Karman, Wangari Muta Maathai, Rigoberta Menchú Tum, Liu Xiaobo oder eine der vielen namenlosen Frauen und Männer.

Ist das die Lösung der Suche im weltlichen Irrgarten? Ist das das Zentrum der einzigartigen Struktur des Labyrinths?

Die Weisheit der Märchen, die den archaischen Kampf der guten und bösen, der weißen und schwarzen Mächte / Energien beschreiben. Sie sind die gleichen, die wir heute IS und Westen nennen. Was lehren uns die alten Märchen?
Sie sagen: Es gibt immer eine Wahl. Die Wahl zur Freiheit. Die Möglichkeit des Friedens.
Irgendwann einmal wird die menschliche Minderheit eine Mehrheit der Menschheit sein.
Und dann? Wiederholt sich dann alles wieder? Ein Wechsel von Hell und Dunkel, von Hass und Frieden? Alle Anstrengungen, nur damit sich danach alles wiederholt?
Es gibt äußere und innere Wandlungsprozesse, die mehr oder weniger sichtbar sind.

Wir leben jetzt und haben uns im Jetzt zu entscheiden: Starre oder Beweglichkeit? Grenzbalken oder Willkommenskultur? Routine oder Kreativität? Macht den Konzernen oder der Menschlichkeit? Alles andere ist ein Ausweichen der wesentlichen Herausforderungen.
Wird diesen ausgewichen, kommt es zu keinen Zusammenstößen. Es kommt zu Umwegen. Doch auch diese führen zum Ziel: labyrinthisch eben

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das (labyrinthische) ziel

Januar 4, 2017

in der (nicht geometrischen) mitte
der labyrinth-struktur
ist
für manche das ende einer sackgasse
für andere das ziel
für labyrinthbegeherInnen jedenfalls
am ende des labyrinthwegs der 180° wendepunkt
wenn der ausgang, der der eingang war
erreicht werden soll,
muss diese wendung vollzogen werden
alle anderen weg-wendungen sind ja „nur“ 90°
zumindest im eckigen labyrinth

wiederhole ich mich?
wieder hole ich mich.
ich hole mich wieder!
wo war ich denn nur?
wie war ich?
hole ich eine andere?
hole ich wirklich mich?
wiederhole ich mich?
und du?
was meinst du dazu?
wie siehst du mich
wie begehst du mich?
ich kann es wahrnehmen
und dich sein lassen

ich bin
der labyrinthweg
selbst


Mann und Frau im Essigkrug und was sie von den Wintervögeln lernten

Januar 4, 2017

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Mann und Frau im Essigkrug

Es waren einmal eine Frau und ein Mann. Sie lebten schon viele viele Jahre mit einander in einer armseligen Hütte, die schlecht roch und deshalb von beiden als „Essigkrug“ bezeichnet wurde. Eines Tages war der Mann derart schlecht gelaunt, dass er zur Frau sagte: „Du bist Schuld daran, dass wir in diesem Essigkrug leben müssen! Wären wir nur nicht da!“
Die Frau aber sagte: „Nein, du bist Schuld daran.“ Das aber wollte der Mann nicht so stehen lassen und so zankten sich die beiden eine Weile. Als sie einmal gleichzeitig Luft holen musste, vernahmen sie die Stimme eines Vogels am Dach, der zwitscherte: „Was ist denn los mit euch?“ „Wir haben beide das Essigkrügel satt und möchten auch einmal wohnen wie andere Leute. Dann gäbe es keinen Grund mehr zu streiten und wir könnten zufrieden sein.“, antwortete die Frau. Da  führte das Gold-Vögelchen die Frau und den Mann an ein neues Häuschen, wo hinten dran ein ein Gärtchen war und zwitscherte: „Dies ist euer jetzt! Lebt fröhlich und zufrieden miteinander. Wenn ihr mich braucht, so braucht ihr nur dreimal in die Hände klatschen und rufen:
Goldvögelein im Sonnenstrahl!
Goldvögelein im Demantsaal!
Goldvögelein überall
!
und schon werde ich da sein.“
Damit flog der Vogel davon und der Mann und die Frau waren froh, dass sie nun ein so schönes Häuschen hatten und nicht mehr in dem Essigkrug wohnten. So verging die Zeit.
Nach einer Weile, es war bereits Herbst geworden und waren in der Nachbarschaft herum gekommen, da hatten sie die großen Bauernhöfe gesehen, mit Stallungen, Gärten, Äckern und vielem Gesinde. Da kam ihnen ihr Häuschen plötzlich ganz armselig vor und gefiel ihnen nicht mehr.

An einem nebeligen Morgen klatschten beide zu gleicher Zeit in die Hände und riefen:
Goldvögelein im Sonnenstrahl!
Goldvögelein im Demantsaal!
Goldvögelein überall!“

Witsch, da kam das goldige Vöglein zum Fenster herein geflogen und zwitscherte: „Was wollt ihr beiden?“
„Ach!“, sagten beide wie aus einem Munde, „Das Häuslein ist doch gar zu klein, wenn wir doch auch so einen großen Bauernhof hätten wären wir wirklich zufrieden.“ Das goldige Vöglein blinzle ein wenig mit seinen Äugelein, sagte aber nichts und führte den Mann und die Frau zu einem großen prächtigen Bauernhof mit vielen Äcker, Stallungen mit Vieh, Knechten und Mägden und zwitscherte: „Dies ist euer jetzt! Lebt fröhlich und zufrieden miteinander.“
Der Mann und die Frau sprangen vor Freude einander in die Arme und tanzten. Sie genossen den Winter im warmen Haus mit dem vielen Essen und Trinken und all der Hilfe der Knechte und Mägde. Ein Jahr verging und sie lebten fröhlich und zufrieden im Bauernhof.
Jetzt konnten sie es sich leisten und manchmal mit ihrer Kutsche  in die Stadt fahren. Da sahen sie schöne große Häuser mit 3 Stockwerken und Menschen, die wunderschön gekleidet waren und Hüte trugen.
Nachdem sie mehrmals dort gewesen waren und auch im Kaffee gesessen waren, dachten sie beide: „In der Stadt zu leben ist besser, denn da bräuchten wir nicht mehr zu arbeiten, hätten nicht viel zu tun und hätten mehr Vergnügungen.“
Da sagte die Frau zu ihrem Mann: „Wollen wir nicht besser in die Stadt leben? Ruf du das goldige Vöglein! Wir waren schon lange genug auf dem dreckigen Bauernhof.“ Der Mann aber sagte: „Frau, ruf du das goldige Vöglein!“ „Warum willst du es nicht rufen?“, fragte die Frau. Weil der Mann nicht tat, wie sie es wollte, schlug schließlich sie dreimal in die Hände und hat rief:
„Goldvögelein im Sonnenstrahl!
Goldvögelein im Demantsaal
Goldvögelein überall!“

Da kam das goldige Vöglein wieder zum Fenster herein geflogen und zwitscherte: „Was wollt ihr beiden?“  „Ach!“ sagte die Frau, „wir sind für das Bauernleben zu müde. Wir möchten auch gern Stadtleute sein und schöne Kleider haben und in so einem großen prächtigen Haus wohnen. Dort werden wir sicher fröhlich und zufrieden sein.“

Das goldige Vöglein blinzle ein wenig mit seinen Äugelein, sagte aber nichts und führte den Mann und die Frau in das schönste Haus der Stadt wo Kristallleuchter von der Decke hingen, Spiegel an den Wänden hingen und die Kästen mit teurem Gewandt  gefüllt waren. Da zwitscherte es: „Dies ist euer jetzt! Lebt fröhlich und zufrieden miteinander.“ „Es gibt auf der Welt nichts Besseres und Schöneres!“, riefen der Mann und die Frau und waren vor Freude außer sich.

Sie lernten über die Jahre die Stadt genau kennen. Sie gingen auf Feste und luden auch ein. So kam es, dass sie sahen, dass es auch Edelleute gab, die in Palästen und Schlössern wohnten. Dort fanden Konzerte und Theaterspiele statt. Oh, das waren wunderbare Erlebnisse! Kein Vergleich zu dem Leben, das sie in dem Stadthaus führten.Und die Frau sagte zum Mann: „Jetzt ist es an Dir, das goldige Vögelein zu rufen.“ Der Mann wollte lange nicht, denn Theater und Konzerte waren nicht so sein Interesse. Schließlich gab er dem Drängen der Frau nach und klatschte dreimal in die Hände und rief:
„Goldvögelein im Sonnenstrahl!
Golbvögelein im Demantsaal!
Goldvögelein überall!“

Da kam das goldige Vöglein wieder zum Fenster herein geflogen und zwitscherte: „Was wollt ihr beiden?“  Da sagte der Mann: „Wir möchten gern Edelleute werden! Als Edelleute werden wir fröhlich und zufrieden sein.“ Da aber blinzelte das goldne Vöglein mit den Äuglein und zwitscherte: „Ihr unzufriednen Leute! Werdet ihr denn nicht einmal genug haben? Ich will euch zu Edelleuten machen, es wird euch aber nichts nützen!“ Es führte sie in ein schönes Schloß, wo alles so war, wie sie es sich gewünscht hatten. Das Vöglein zwitscherte: „Dies ist euer jetzt! Lebt fröhlich und zufrieden miteinander.“

Frau und Mann waren lange Zeit sehr fröhlich und zufrieden. Einmal wurden sie in die Hauptstadt zu einem großen Fest geladen. Da sahen sie die vergoldete Kutsche und die goldbestickten Kleider der Königin und des Königs. Alle Leute am Straßenrand schenkten ihre Hüte als die Königskutsche vorbei fuhr. Da klopften dem Mann und der Frau vor Neid das Herz. Kaum waren sie wieder zu Hause in ihrem Schloss, so sprachen sie: „Jetzt wollen wir König und Königin werden. Das soll unser letzter Wunsch an das Vögelchen sein.“ Da klatschten alle zwei gleichzeitig in die Hände und riefen:
„Goldvögelein im Sonnenstrahl!
Goldvögelein im Demantsaal!
Goldvögelein überall.“

Da kam das goldige Vöglein wieder zum Fenster herein geflogen und zwitscherte: „Was wollt ihr beiden?“  Da riefen beider aufgeregt: „Wir haben die Königin und den König gesehen. Wir möchten auch gern König und Königin sein.“ Da begann aber das Vöglein ganz schrecklich mit den Augen zu blinzeln, sträubte alle seine Federchen und schlug mit den Flügelchen und zwitscherte: „Wann werdet ihr denn endlich genug haben? Ich will euch zum König und zur Königin machen. Warum nur  habt ihr nimmermehr genug?“ Es führte sie in ein riesiges Schloß und ließ sie auf den Thron setzen. Das Vöglein zwitscherte: „Dies ist euer jetzt! Lebt fröhlich und zufrieden miteinander.“ Und Mann und Frau, Königin und König erließen Gesetze, hielten sich einen großen Hofstaat und häuften unermesslichen Reichtum an. Damit waren sie lange beschäftigt. Der Jubel der Einwohner und Einwohnerinnen beglückte sie. Doch es kam, wie es kommen musste. Sie erfuhren, dass es auch Kaiser und Kaiserinnen gab.

Da sprach die Frau: „Werden wir Kaiser und Kaiserin.“ Doch der Mann sagte: „Nein! Ich will Papst werden!“ Da rief die Frau: „Ho! Wenn du Papst werden möchtest, dann möchte ich die Göttin sein!“
Kaum aber hatten sie dies gerufen, da erhob sich ein mächtiger Sturm und ein großer schwarzer Vogel mit funkelnden Augen flog zum Schlossfenster herein. Er krächzte so laut, dass alles erzitterte: „Alles Materielle, das ihr euch gewünscht habt, wurde euch erfüllt. Alle gesellschaftlichen Schranken hoben sich für euch. Jetzt habt ihr eine Grenze überschritten. Die spirituelle Welt müsst ihr selbst entdecken. Da diese euch bisher nicht wichtig war, geht an den Start zurück und versucht euer Glück ein zweites Mal. Möge die Übung gelingen! “ Damit flog der Vogel davon und mit einem Donnerschlag und Blitz fanden sich Mann und Frau wieder in ihrem ursprünglichen Essigkrug. Sie sahen sich erschrocken um, sahen sich erschrocken an und weinten und klagten so laut und so lange, bis sie keine Stimme und keine Tränen mehr hatten. Sie waren viele Erfahrungen reicher und um alle Häuser und Ämter ärmer geworden. Hilflos und wütend saßen sie da. Wer hatte Schuld? Wie war alles gekommen? Der Mann sah die Frau an. Die Frau sah den Mann an. Sie sahen sich für einen kurzen Augenblick, der so kurz wie ein Augenschlag war im jeweils anderen und erkannten sich selbst. Dann schliefen sie müde und erschöpft ein und der Schlaf der Heilung legte sich über sie. Als sie aufwachten fühlten sie sich fröhlich und zufrieden. Sie schauten sich beide in ihrem Essigkrug um. Da sagte der Mann: „Ich bin Schuld daran, dass wir in diesem Essigkrug leben! Ich hab dir damals die Schuld gegeben – aber ich hab ja auch meinen Teil daran.“ Die Frau staunte über das Gesagte und antwortete. „Ich bin auch Schuld daran, dass wir jetzt im Essigkrug leben. Ich wollte eine Göttin sein.“ Der Mann sprach: „Lass uns also das Beste daraus machen! Sei du meine Göttin und lass mich dein Gott sein!“ Da lachten die Frau und der Mann und umarmten sich und waren glücklich, weil sie wieder ihre Liebe zueinander gefunden hatten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Und weil die Liebe eine starke Kraft ist, schafften sie es, eine neue gut riechende Holzhütte zu bauen. Die Frau und der Mann fischten gemeinsam und verkauften die Fische am Markt. Vom Gewinn kauften sie Gemüse- und Obstpflanzen, die mit den Jahren viele gute Früchte trugen. So hatten sie genug zu essen und zu trinken. Es machte ihnen Freude, gemeinsam die Sonnenauf- und Untergänge zu sehen und einander Geschichten von früher zu erzählen und neue Pläne zu schmieden, wie sie am besten ein Labyrinth anlegen könnten. Für sie war das Labyrinth zu einem Symbol ihres Entwicklungsweges geworden. Im Winter streuten sie Sonnenblumenkerne und Nüsse für die Vögel aus, damit auch diese ausreichend Futter hatten. Schließlich hatten sie viel von den Vögeln gelernt. Wer weiß, vielleicht legten sie für die Vögel ein Labyrinth aus Sonnenblumenkernen?

Ludwig Bechstein – bearbeitet von mir


und übermale den tag mit meinen träumen …………….

Januar 4, 2017

PROSIT NEUJAHR !
2017
nehmen wir wahr, was ist
und bewahren wir uns die phantasie,
die freude, die kunst, die lebendigkeit
und  übermalen den tag mit unseren träumen
mit labyrinthischen grüßen
ilse

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Sonnenaufgang. Sonnenuntergang. Sonnesein.

November 1, 2016

Lege deine Hand auf dein Herz, sagte sie.
Ich legte meine Hand auf mein Herz.
Atme und spüre, sagte sie.
Ich atmete und spürte.
Kannst du die Freiheit spüren?, fragte sie.
Ja. Ich spüre sie. Die Freiheit ist in meinem Herzen!
Atme und spüre weiter, sagte sie.
Ich atmete und spürte. Atmete ein. Atmete aus.
Das Atmen verlangsamte sich ohne mein Zutun. Das Atmen wurde zum Rhythmus einer Welle, die im Ozean ruhig schwingt. Ein und aus – hin und her – auf und ab.
Und dann fiel ich in eine Leere.
So sage ich jetzt. In der Leere selbst war kein Spüren und auch kein Gedanke, keine Wahrnehmung. Und doch war die Leere nicht ganz leer. Vielleicht doch leer. Sie hatte einen Charakter, sage ich jetzt. Und ihr Sein war hell und leicht und freundlich und friedlich. Wie das Licht einer aufgehenden Sonne. Die einzelnen Strahlen sind nicht zu sehen, es war die Gesamtheit von Licht, die die Leere war. Und die Leere trug mich. Das Licht trug mich. Nicht körperlich, denn ich lag auf dem Boden. Es war die Erde, die mich trug. Und doch: Es war das Licht, das mich trug. Kein Gedanke, kein Spüren, kein Wissen um das Ein- und Ausatmen. Jetzt erst versuchen meine Gedanken und meine Wahrnehmung in Worte zu fassen, was war. Wie es war.
Es? Ich? Das alles gab es nicht mehr. Es gab nichts. Nur das Nichts, das auch keine Leere mehr war. Aufgelöst alles. Zu einem geworden, wo es keine Sprache mehr gibt. Nur noch Sein. Und Ewigkeit. Endlose Unendlichkeit. Keine Grenzen, keine einzige Grenze. Das sage ich jetzt. Weil die alltägliche Welt aus so vielen Grenzen besteht. Körperlichen, geistigen, mentalen, emotionalen. Auch zeitlichen Grenzen. Ich war losgelöst vom Alltag und von mir. Ist das die Erfahrung der Seele? Ist das die Erfahrung von Himmel, von Seligkeit, von Nirwana?
Fragen die auftauchen. Und wieder abtauchen. Die Zeit, da sie abgetaucht sind, die fraglose Zeit ist eine Zeit von Zufriedenheit und Glück. Der Gegenpol zur Alltagsrealität, in der die Fragen unbedingt eine Antwort nötig haben. Wer profitiert wovon? Wer benützt seine/ihre Macht wozu? Wer gibt ihr/ihm Macht? Warum?
Das Leid, die Ungerechtigkeit, die die Welt zu einem Ort der Hölle machen, sind nicht naturgegeben. Und wenn, so sind sie doch veränderbar!
Lege deine Hand auf dein Herz, sagte sie.
Ich sage nun zu dir: Lege deine Hand auf dein Herz und folge deinem Herzschlag. Lass dich führen. Nimm wahr, wem du begegnest. Der Neugierde? Der Angst? Der Liebe? Lege deine Hand auf dein Herz und folge deinem Herzschlag. Niemand kann dich in dieses Herzschlagland begleiten. Du bist alleine auf diesem Weg. Er führt dich zu dir. Und er führt dich zum Licht. Vielleicht nicht gleich und sofort. Vielleicht macht der Weg eine Wendung und du erlebst Ungeahntes, Unerwartetes. Geh weiter. Träume weiter. Atme weiter. Einmal wird es sein, da du die sieben Wendungen durchlebt hast. Dann stehst du an der Schwelle zum Zentrum. Verliere dich nicht. Du wirst auf eine dich verzehrende Leere treffen. Lass dich nicht verschlingen. Lege deine Hand auf dein Herz. Folge deinem Atem. Er bringt dich ins Zentrum des Labyrinths. Ins Zentrum des Lebens. Ins Sein. Zu dem du wirst.


Venedig – Sehnsucht und Untergang. eine labyrinthische Erfahrung

Oktober 24, 2016

Venedig – Sehnsucht und Untergang
eine labyrinthische Erfahrung

Venedig. Licht. Wasser. Kanäle. Brücken. Renaissancepaläste. Vivaldi. Handels- und Kriegschiffe. Finanzzentrum. Glas. Touristenmassen. Fluch. Verfall. Weltkulturerbe. Karneval. Biennale. Gondeln. Hochwasser. Donna Leon. Sehnsucht. Untergang.

Etwas Mystisches hält die kleinen 118 Inseln zusammen. Ihre Verbindung, ein Ganzes, diese Stadt: Venedig. Durch Jahrhunderte bereist, als unbegreiflich, unfassbar, wunderbar und immer wieder erstaunlich erlebt. Beschrieben mit unzulänglichen Worten nur. Eine unbeschreibbare Stadt. Beschreibbar das Leben der Menschen. Ihr Leben. Und Wirken. In Venedig klingt und schwingt die Vergangenheit, die Gegenwart – doch keine Zukunft.

Antonio Lucio Vivaldi. Kein Wunderkind. Aus nicht begütertem Haus ist für ihn der einzige Zugang zu Bildung die Ausbildung zum Priester. Er gibt gesundheitliche Gründen an,  um sich vom Priesteramt zurückzuziehen. Er arbeitet als Lehrer für Violoncello und Violine an dem Ospedale della Pietà, einem Waisenhaus für Mädchen so erfolgreich, dass es heißt, dort gäbe es die beste Musik der Stadt. Er beginnt zu komponieren. Das Haus wird bald zu einem europaweit bekannten Musikkonservatorium. Vor 300 Jahren begann seine Karriere mit der Aufführung seines Oratoriums Juditha Triumphans.

Venedig, diese Inselwelt, wird untergehen –  im wahrsten Sinne des Wortes, untergehen, im Wasser versinken, ertrinken.

Papua Neuguinea ist der drittgrößte Inselstaat der Welt. Er wird auch untergehen. Doch nicht im Wasser untergehen sondern in der Vulkanasche. Vulkanasche erstickt. Nimmt die Luft. Nimmt so das Leben. Papua Neuguinea ist eine Vulkaninsel. Eine Feuerinsel.

Entstehung – Entwicklung – Untergang – Sehnsucht – Entstehung – Untergang – Entwicklung – Entstehung – Sehnsucht – Untergang – …..
Zeitepochen . Zeitphasen. Gezeiten. Zeiten. Zeit

die zeit
zeichnet die steine
die zeit
zeichnet die welt
die zeit
zeitigt dich

der raum
atmet die steine
der raum
atmet die welt
der raum
beraumt dich

in zeiträumen
leben
in raumzeiten
sterben
das leben
träumt dich
Ja. Das Leben träumt dich. Venedig träumt sich. Der Vulkan erträumt eine neue Inselwelt. Und ich?

die Zeit
in Altersringen
im Baum
als Sediment
im Gestein
ein Korallenfinger
der Ewigkeit
Zeit
als Herzschlag
in mir

Zeiten verändern. Sich. Mich. Uns. Alle. Alles. Zeiten. Wenden. Zeitenwenden.
ZeitenWenden

I.

In uralten Zeiten – so wird in Papua Neuguinea erzählt und so erzähle auch ich – in uralten Zeiten, lebte eine alte Frau, die von allen Muhme genannt wurde.

Zu jener Zeit, so wird in Papua Neuguinea erzählt, kannten die Menschen das Feuer noch nicht. Doch ich erzähle es euch so: Zu jener Zeit, als das Feuer noch frei war, lebte in Maiwara eine alte Frau, die von allen Muhme genannt wurde.

Damals wurde Yams und Taro in dünne Scheiben geschnitten und vom Feuer der Sonne getrocknet. Davon ernährten sich die Menschen.

Muhme machte es ebenso für zehn junge Männer, die sie versorgte, doch machte sie es anders für sich. Sie zog, wenn die Jünglinge auf Jagd waren und sie sich unbeobachtet wähnte, Feuer zwischen ihren Beinen hervor und kochte Yams und Taro für sich selbst. Das war lange ihr Geheimnis. Doch nichts bleibt, wie es war; nichts bleibt, wie es ist. Eines Tages geriet versehentlich, es geschah doch versehentlich, oder? ein Stück gekochtes Yams in das Essen der Männer. Dieses so unerwartet weiche und schmackhafte Stückchen – wie war es dazu nur geworden?

Die Männer fragten Muhme nicht danach. Warum sie nicht fragten, wird nicht erzählt in Papua Neuguinea und auch ich weiß es nicht, könnte nur Vermutungen anstellen. Die Männer, sie sprachen an jenem Abend nur untereinander und beschlossen miteinander einen Plan.

Der Jüngste von ihnen versteckte sich am nächsten Tag, beobachtete und erzählte später den anderen alles. Gemeinsam beschlossen sie (oder gab es eine Gegenstimme, die überstimmt wurde?) da sie den Nutzen des Feuers erkannten, Muhme das Feuer zu stehlen.

Sie fällten zuerst den mächtigsten Baum. Am nächsten Tag schnappte der Jüngste von allen der überraschten Muhme einen Feuerbrand weg. Er rannte davon und sprang über den gefällten Baum, der für die alte nachlaufende Muhme zum Hindernis wurde, doch verbrannte er sich dabei seine Hand und ließ den brennenden Span fallen. Das Feuer erfasste zuerst das Gras und dann geriet alles in Brand. Die Schlange Garabuiye schreckte hervor und fing dabei Feuer. Da ließ es die alte Muhme regnen und so ward das Feuer gelöscht.

Nach einer langen Weile kamen die Jünglinge aus ihren Verstecken hervor, doch sahen sie kein Feuer mehr. Garabuiye, die Schlange, aber hatte sich in eine Vertiefung einer Palme zurückgezogen, gleichwohl ihr Schwanz noch etwas brannte. Das bemerkten die Jünglinge, brachen ihr den Schwanz ab und setzten damit schnell zusammengesammeltes Holz in Flammen. Davon angelockt kamen aus den benachbarten Dörfern neugierig die Leute herbei und nahmen Feuer mit sich. So kam, wird erzählt, in uralten Zeiten das Feuer unter die Menschen.

Das Feuer. Und die Menschen. Das Sonnenfeuer gibt, was für Menschen Voraussetzung ist, um zu leben und um zu sehen, der Erde: Wärme und Licht. Feuer – in ihm liegt der Ursprung der Erleuchtung. Das Feuer und die Frau. Muhme kannte das Feuer, denn das Feuer kam aus ihr selbst, aus ihrem Schoß.

Mit der Gebärmutter zu denken, war vor Zeiten eine allgemeine Wahrheit. Unser Heute wurzelt im Damals. Unser Bewusstsein ist von Geschichte geprägt und prägt die Geschichte zurück und nach vorne.

Das Sanskritwort für Weisheit  , so weiß man, liegt in der Wurzel mt , woraus sich nicht nur die Namen der Weisheitsgöttin Maat (die die Ordnung des Universums in Gestalt der Uräusschlange verkörpert), und der Weisheitsgöttinnen Mut und Metis ableiten sondern auch die Worte Mater (die Mutter), Materie und Matrix, die Gebärmutter. Was einst eins war, wurde durch Zweifel entzweit in die Polaritäten Geist und Materie und eint sich wieder zum Ganzen, wird heil, heute, da die Physik die Einheit beider bestätigt und damit uralte Wirklichkeit vergegenwärtigt.

Die sich im Dunklen zurechtfindende Schlange beeindruckt uns, die wir ohne Licht nichts sehen. Im Babylonischen Mythos zeugten Ningal und Sin

Zwillinge. Die Erstgeborene war Ischtar. Sie, die kriegerische, wurde auch Fackel des Himmels und der Erde  genannt.

Zeitreise. Weltreise. Zeitenwende, Wegwende. Zurück in Venedig.  Im Großen Saal des Dogenpalasts. Das Fresko: Die Marienkrönung, auch Paradiesbild genannt. Tintoretto malte auch das „Paradies“. Es zeigt Christus und Maria umringt von Menschen. Es ist das größte Tafelbild der Welt. Im Palazzo Barbarigo della Terrazza wird die biblische Paradieserzählung gezeigt. Paradies. Zeitenwende. Gedankenwende.

Weiter will ich erzählen. Ja, lasst mich weiter erzählen von anderen uralten Zeiten und uralten Orten. In uralten Zeiten – so wird hierzulande erzählt und so erzähle auch ich – in uralten Zeiten, gab es ein Paradies. In jener uralten Zeit, so wird erzählt, kannten die ersten Menschen Adam und Eva die Sünde noch nicht, lernten sie jedoch kennen, durch Eva, die der Schlange nicht widerstand, in den Apfel biss und seitdem alle Menschen mit dieser Erbsünde geboren werden. Doch ich erzähle es euch so:

In uralten Zeiten lebten Eva und Adam im Paradies. Beide hatte eine gute Zeit dort und waren durchaus zufrieden. Sie hatten genug zu Essen und Trinken, sie hatten genug Abwechslung und Spaß, sie hatten genug Vertrautes. Ja, eines Tages hatten sie von allem genug. Es reichte. Ihr. Sie hatte Lust auf Neues, in diesem Fall Lust auf Erkenntnis, vielleicht sogar Erleuchtung. Heute lässt sich das nicht mehr so genau sagen. Es reichte jedenfalls. Und wenn es reicht, dann ist Widerstand angesagt. Wie ein Knäuel, das mit der Zeit abgewickelt worden ist, entwickelte sich dieses Gefühl in ihr, dieses Bedürfnis, bis nichts mehr war wie es war: Der rote Faden lag vor ihr und es lag an ihr, etwas zu tun. Doch vor dem Handeln liegt bei jeder klugen Frau das Denken und so war es auch bei Eva. Zuerst sprach sie. In welcher Sprache sie sprach, darüber lässt sich nur spekulieren. Für sicher jedoch kann gelten: Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch.

Die Sprache / des Widerstandes  / ist alt wie die Welt und / ihr Wunsch.

Seit exakt dem Moment, als Eva die Sprache als ein Mittel des Widerstands benutzte,  positiv formulierend das Angebot der Schlange mit einem lauten und klaren JA annahm. Denn nicht ist überliefert, dass Adam Eva je widersprochen hätte. Gab es Ursache, dass Eva Adam widersprechen musste? Im Paradies zu jener zeitlosen Zeit war alles voll von Harmonie und Übereinstimmung. Noch gab es kein Duett, kein Solo, da Einstimmigkeit. Ein wahrlicher Engelsklang in manch heutigen Ohren! Betrachten Sie es von der musikalischen Seite. Zwölftonmusik für ein ganzes Orchester, das kam erst später, dann als uns Menschen die Hölle offenstand. Auch ein Angebot, das nicht unterschätzt werden sollte, meinen Sie nicht?

Ein JA das ein NEIN herausforderte. NEIN, du sollst nicht länger hier im Paradies weilen. NEIN, du hast die Hölle auf Erden verdient! Auch der patriachale Gott wusste bereits damals, dass Evas Leistung zu Widersprechen von epochaler Bedeutung war, eine Leistung, die belohnt werden sollte, geehrt und gewürdigt.  Das zuvor Undenkbare wurde bewusst: Wir sind zwei Mann und Weib und Weib und Mann, reichen an die Gottheit an…….Mozart fügt diesen Worten seine göttliche Musik hinzu, vermählt die Dualität, lässt sie wieder zu einer Einheit werden.

Sie tun sich schwer im Folgen? So soll es sein. Denken sie eigenständig, seien Sie kein/e MitläuferIn, NichtdenkerIn. Das ist bitter nötig in solch politischen Zeiten wie diesen, die eigentlich immer sind. Schon ewig. Seit Adam und Eva eben, seit ihr JA das göttliche NEIN hervorrief. Evas Macht war groß! Betrachten Sie alles einmal von diesem Standpunkt! Der patriarchale Gott war gereizt, ungeduldig, gekränkt in seinem göttlichen Stolz, dass Ihm wer widerspricht. Widerspricht! Richtig. Widerspruch. Da lernte er zum ersten Mal die Sprache des Widerstandes kennen. Brüllt sie Eva ihm ins Ohr? Ein Glück – es gab keine Zeugen. Vor cora publica verhöhnt zu werden, ist seine Sache nicht. Und doch konnte Jahwe nicht verhindern, dass sich diese Sache herumsprach. Allerdings in etwas geändertem Inhalt, wenn Männer es weitererzählten. Sie wissen, wie Männer sind.

Adam, ein bisschen weniger intelligent als Eva, sie war diejenige, die mit Gott diskutierte, und der nun ausbaden musste, was sie ihm eingebrockt hatte (wie hätte er ihr widersprechen können und ihr Apfel-Angebot nicht annehmen können, sie waren doch im Paradies! Einen Streit vom Zaun brechen, war ein Unding! Um ehrlich zu sein, er hatte in Wirklichkeit eigentlich gar keine andere Wahl. Er, der sich nach dem paradiesischen Gesetz hielt, wurde bestraft, aus dem Paradies verstoßen.) Die Erde musste er pflügen im Schweiße seines Angesichts.

Klar, dass Adam da wütend wurde, wo er doch auch nicht verstand, was da vor sich gegangen war. Adam schob die Schuld auf Eva, weil Gott mit gutem Beispiel voran ging und in alter paradiesischer Gewohnheit, folgt er Gott und schob ebenfalls alle Schuld auf Eva. Gott hatte kein Einsehen, dass Er einen Fehler gemacht hatte.

Der uneinsichtige Gott-Vater, sein Herz wird versteinert und es kommt so weit, dass er Vater Abraham auffordert, den Sohn am Altar zu opfern. Ihm. Der Sohn widersprach dem Vater nicht und der Sohn des Vaters nicht seinem Vater und so weiter und sofort und damit wurde die militärischen Strukturen des Gehorsams entwickelt. Unhinterfragter Gehorsam, weil vor Zeiten nicht alles nach Gottes Willen gegangen war. Kinderrevolte. Aufstand gegen den Vater.

Kein Aufstand gegen die Mutter, die Mütter? Wo standen jemals in der Geschichte Töchter gegen Mütter, opferten Mütter gehorsam ihre Töchter? Mütter opferten ihre Töchter, aber unter Wehklagen, nie freiwillig! Freiwillig. Wo war der freie Wille im Paradies? Immer schon da. Nur nicht entwickelt. Da lag es, das Knäuel. Aufgerollt, unbeachtet, Jahrhunderteleben – bis Eva endlich, endlich durch die Schlange darauf aufmerksam wurde. Es bedurfte der Schicksalsgöttinnen, die Fäden des Knäuels abzuwickeln. Göttin Ariadne kannte den Weg, wusste den Faden zu gebrauchen. Theseus, ohne aller Kenntnis darüber (ähnlich also wie Adam vor ihm), folgte Ariadnes Anweisungen. Entwickeln um zu wissen, zu erkennen.

Erkenntnis hatte Eva im Paradies noch keine, ehe sie das Schlangenangebot annahm, doch eine große Portion Intuition, der sie folgte. Warum sollte sie nicht gottgleich werden wollen? Warum Bescheidenheit, sich fügen, wo keine Notwendigkeit besteht? Not-Wendigkeit? Gab es eine Not zu wenden? Sie waren doch im Paradies. Also gab es keine Notwendigkeit, sich an Gebote zu halten. Dass sie durch ihre Wendigkeit eine gewissen Not herbeiweltete – alles hat seinen Preis. Wir leben in einer Welt des sogenannten Freien Marktes: Angebot und Nachfrage. Einmal bitte eine Welt mit Gott! Für mich bitte eine ohne! Wählen Sie, suchen Sie aus, aus unserem Sortimente. Gott der beste Handelsvertreter der Galaxie?!

Adam und Eva, am Beginn der Welt. Immer noch die ersten dieser Welt, in dieser Reihenfolge. Zuerst der Mann und dann die Frau. Historisch, geschichtlich, machtpositionierend gleichwohl nicht mehr hinter vorgehaltener Hand gesagt werden muss, nein, die Wissenschaftler schreien es über die Medien in die Welt (mit Hilfe von Redakteurinnen? Mehr aus Freude vor der Neuentdeckung als dem Neuen, alles veränderndem Inhalt?): „Wir Menschen haben eine Urmutter! Der erste Mensch war weiblich. Europa stammt von sieben (die Alten haben es ja schon immer gewusst, dass Magie dabei im Spiel ist) Frauen ab. Nachweislich, anhand der DNA-Analysen. Kein Aprilscherz, gleichwohl eine Aprilmeldung im Jahr 2000, die Schlagzeile:

Sieben Urmütter für alle Europäer. ( Anm.: Die übliche Ausrede: Es war kein Platz mehr für das Innen .) Der Artikel: Alle Europäer stammen von sieben Frauen ab, die vor rund 45.000 Jahren sieben unterschiedliche Clans begründeten. Dies erklärte Bryan Sykes, Professor für Humangenetik der Universität Oxford. Er nannte seine Studie Die sieben Töchter der Eva  und gab den Urmüttern der Europäer (Anm.: das fehlende Innen ist nur noch zur Kenntnis zu nehmen) auch Namen, damit man (Anm.: wohl eher: Mann) sich richtige Menschen (Anm.: soso!) vorstellen könne: Ursula, Xenia, Tara, Helene, Katrine, Valda und Jasmine. Zu deren Vorfahren erklärte Sykes, es scheine so, als seien die sieben europäischen Clans aus einem der drei genetischen Clans hervorgegangen, die im heutigen Afrika lebten. Demnach und der Logik des Studientitels folgend, müsste Eva zwei Schwestern gehabt haben. Die aber hat Sykes noch nicht benannt.

So alt wie die Welt – die Sprache des Widerstandes. Nein. Hier haben wir den Beweis vor uns liegen! Es gibt keine Legende, keine Religion, die uns berichten würde, die drei Frauen hätten sich gestritten. Sie lebten friedlich und paradiesisch, solange, bis Adam mit seinem patriarchalen Gott kam und sie ihm leider, sie bedauerten es wirklich, widersprechen mussten. Und das historische NEIN, das Leben und Tod bedeutete, das erste NEIN sagte kein Mann zu einer Frau, keine Frau zu einer Frau, es sagte Eva zu Gott.

Und ihr Wunsch? Ihr Wunsch: Zeiten wenden

Zeitenwende. Gedankenwende. Venedig, diese Inselwelt, wird untergehen –  im wahrsten Sinne des Wortes, untergehen, im Wasser versinken, ertrinken. Untergang. Verlust. Trauer. Schmerz. Innehalten. Stillstand der Welt.

Irgendwann. Irgendwann wird aus der Stille Neues geboren.

Ebenso versinken Mythen, ertrinken alte Weltbilder, veraltete Vorstellungen und Werte. Sich wandeln. Transformieren –  neu entstehen. Auch wir.
Das neue Venedig werden wir nicht miterleben – nur seinen Untergang.

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Don Quijote im labyrinthischen Paradies?

Oktober 24, 2016

Don Quijote und seine Verwandten

Don Quijote. Gezeugt von Miguel de Cervantes. Seine Mutter, die Lebenserfahrung, trug das Ihre dazu bei. Don Quijote. 1605 im Gefängnis geboren.

Ich werfe alte Fragen wieder auf.
Kann übermäßige Literatur den Verstand rauben?
Don Quijote war offenbar ihr Opfer. Oder ist gar die Literatur Opfer Don Quijotes, der gegen Windmühlen kämpfte und den Kampf natürlich nur verlieren konnte?
Die Fragen haben sich in den vergangenen 311 Jahren transformiert.
Heute lauten sie: Kann übermäßiger PC-Smartphone-Konsum den Verstand rauben? Wer stürzt sich nicht gerne todesmutig in Abenteuer und Gefahren der digitalen virtuellen Spielwelt? Vielleicht, um das Unrecht zu bekämpfen?  Vielleicht um ewigen Ruhm an den eigenen Namen zu heften?
Ist Rosinantes Name heute „youtube“ ?. Kann Dulcinea von Toboso heute nicht jeden Namen tragen? Sancho ein Roboter?

Don Quijote. Hatte er Verwandte? Tanten, Onkeln, Nichten, Neffen, Cousinen und Cousins? Auch diese Frage stellt sich: Bin ich, wenn schon keine direkte Nachfahrin nicht eine Verwandte? Und wer sind all die anderen Verwandten?

Hier sei Rose Ausländer zitiert:

Dialog

Endlos
der Dialog

Du und die Blume
du und der Stern
du und dein Mitmensch

Ununterbrochene
Zwiesprache
Funke an Funke

Der König in dir
der Bettler in dir

Deine Verzweiflung
deine Hoffnung

Endloser Dialog
mit dem Leben

I.
Die ursprüngliche Realität und Wirklichkeit aller Menschen bildete ihr Sein in einer Umwelt ohne jegliche elektronischer Unterstützung oder elektronischer Hilfsmittel. Basierend auf dem Körper mit dessen physischen, geistigen und  emotionalen Fähigkeiten galt es, das Lebens zu leben.

Die Voraussetzungen zum Überleben, die Funktionen für Wahrnehmung, Aufnahme und Umsetzung sowie Anwendung und auch jene für Kommunikation waren ausreichend. Diese Basis bildete auch das Potential von Entwicklungen.

Den menschlichen auf allen Ebenen und in allen Bereichen begrenzten Körper zu entgrenzen, diese vorgegebenen Grenzen zu überschreiten, war von Anbeginn ein menschliches Ziel und ist es heftiger denn je.

Das NEIN zur Grenze, das Nein zur Begrenzung, das Nein zu jeglicher Ein- und Beschränkung, ein Nein dem Ausschluss, wählen zu können. Dieses Nein ist Rebellion. Rebellion gegen jene Macht und Kraft, die verwehrt. Aufstand!

Aufstand verkörpert vom Liegen oder Sitzen in den Stand, ins Stehen zu kommen. Aus einer Ruhelage in eine Position eines möglichern Schritts. Weitere Schritte werden zu einem Weg.

Aus dem Paradies kommend haben Menschen auch das JA in sich. Ein Ja zur Grenze, ein Ja zum Bleiben, ein Ja zum An-die-Grenzen-Gehen und nicht darüber hinaus und ein Ja für das Zum-Zentrum-Kommen und Im-Zentrum-Sein.
II.
Mit den neuen Technologien kann die Körpergrenze nun erweitert und überschritten werden. Das Internet gilt als die in der Außenwelt realisierte Möglichkeit der Vernetzung analog zum Gehirn. Das traditionelle Sein beginnt sich mit elektronischen Objekten parallel zur bisherigen Realität und Wirklichkeit zu verbinden. Die Möglichkeit, sich Chips in den Körper implantieren zu lassen und damit bisher (auch art-)fremde Qualitäten zu integrieren, wurde zur Realität.

Zeitgleich zu diesem Weg wird auch ein gänzlich Entgegengesetzter beschritten: Konnten bisher mentale Kräfte nicht nachgewiesen werden, so können diese nun sogar sichtbar gemacht werden. Was bisher als unglaublich galt wurde im wahrsten Sinn des Wortes aus Unglauben ausgeschlossen.

Weil sehr anschaulich sei jene Versuchsanordnung exemplarisch genannte, in der Menschen über Elektroden am Kopf durch die Kraft ihrer Gedanken Objekte in Bewegung setzen. Was bisher als paranormal galt, ist mit etwas Übung von jeder/jedem bei der Steirisches Landesausstellung 2000 mit einer Erfolgsrate von 80% zu erreichen gewesen.

Was ist das menschliche Wesen? Als was wurde es bisher interpretiert, als wird es heute definiert? Wohin kann/soll es (gen/technisch) verändert werden? Welche Möglichkeiten sind noch unausgeschöpft? Was soll warum wie erreicht werden?
III.
Die menschliche Existenz mündet durch vermehrten Einsatz und vermehrte Anwendung elektronischer Objekte außerhalb und innerhalb des Körpers in eine (freiwillige) Isolation, paradox zum grenzenlosen Vernetzsein. Die Emotionalität, mit der sich die BenützerInnen an diese Maschinen koppeln, ist hoch, wie das Bedürfnis nach Sozialkontakten, Gruppenidentitäten zu bilden bzw. einer Gruppe anzugehören (Ö3 Gemeinde, geekchic etc.) zeigt, das auch befriedigt werden will.

Weiters findet eine Beschleunigung aller Lebensvorgänge statt, die nicht nur eine weltanschauliche Entscheidung ist sondern ebenso eine des wirtschaftlichen Umfeldes.

Das Gleichgewicht der Parallelwelten, Balance von Innen und Außen, Ich und Du, Wir und Ihr, zu halten, ist gefragt. Balance. Kein Übergewicht, kein Untergewicht – im Gleichgewicht. Ist dieses Gleichgewicht ein Stabiles, wird es zur Starre – die Lebensenergie bläst und schon ist eine Ungleichgewichtung wieder da. Wie ein kindliches Gleichgewichts-Spiel: in Balance – aus der Balance – in die Balance u.s.w., so ist das Leben als solches.

 

IV.
Es geht bei der Balance auch ums Machen und damit auch um Macht ...

Zum einen die Macht über die eigenen Gedanken. Zum anderen die Kreation von Scheinwelten, Ununterscheidbarkeit zwischen Realen/Virtuellen Welten und von Informationsströmen ermöglicht Macht über andere. Die Auflösung des Wahrheits-Begriffs ist die Konsequenz davon.

Sind bei materiellen Begegnungen Sinn-Erfahrungen gegeben (tasten, riechen, sehen, hören, ev. schmecken) kombiniert mit Sympathie, weitgefächerten Assoziationen bisher gemachter Erfahrungen bzw. Koppelung mit diesen (was Vorurteile/Urteile zur Folge hat) – so ermöglicht die virtuelle Begegnung Reduzierung derselben bei gleichzeitiger Ausweitung der Maskenkapazitäten. Das bedeutet, dass andere Identitäten angenommen werden können, die indirekt mit der ursprünglichen Identität verbunden sind und nie frei davon sein können und dennoch Gegenpole bilden können.

Die Vielfalt scheint eine fast unbegrenzte zu sein, was diese jedoch nicht ist. In Distanz wird sprachlich bzw. in Piktogrammen kommuniziert wobei Abstraktes von der Sendenden sich verkörpert bei der Empfangenden. Der Rollenwechsel ist ein stetiger beim Dialog. Das Verkörperte erzeugt/ist Realität bzw. Projektionsfläche. Dabei nähert sich der Wert des Wahrheitsgehalts der Null. Wenn die Ursprungsidentität als jene angenommen wird, die sich im Prozess der Wandlung zur Pluralität selbst wandelt, wird die Virtuelle Wirklichkeit bei dieser Entwicklung die einzige Wirklichkeit und damit muss Wahrheit neu definieren werden.

 

V.
Zu der Frage: Don Quijotes Verwandte? gesellt sich konsequenter Weise ihr Gegenstück: Don Quijotes Nicht-Verwandte.

Das menschliche Wesen vermag auf sich selbst einzuwirken – mit und auch ohne seinem Bewusstsein. Unabhängig davon entwickelt sich das Bewusstsein evolutionär weiter. Vom Erdenstaub zum Licht sozusagen.

Es gibt auf Erden nichts Ewiges, schon gar kein ewiges Recht. Recht ist etwas Historisches, Veränderliches, Vergängliches. Geschaffen von MachthaberInnen.

Es passt sich chamäleonartig gesellschaftlichen Veränderung an, weil es ebendiese widerspiegelt, sichtbar werden lässt. Oft registrieren wir dies selbst innerhalb eines Regierungswechsels (auch in Demokratien wie der unseren).

Wie es aus der Quantenphysik bekannt ist, beeinflusst sogar der/die BeobachterIn das beobachtete Objekt/Geschehen. Nicht anders geht es zu bei Gericht zwischen RichterIn und Fall. Und so kann logischerweise auf nichts vertraut werden nur in jede/n einzelne/n und seinen/ihren Charakter.

Dieter Simon formuliert mit seinem radikalem Ansatz: „Die nackten objektiven Fakten (facta) erweisen sich als von facere = machen abgeleitete Gemachte, als Tatsachen, die sich nicht unbeherrschten Ereignissen sondern Taten verdanken. Hinter der Subjekt/Objekttrennung und dem dadurch bewirkten Verlust der Objektivität erscheint die Geschichte nicht mehr als sinnstiftende und gesetzmäßig gestaltende macht, sondern nur mehr als eine Sammlung persönlicher Geschichten.“

Bisher erzählten Männer ihre Geschichte als die Geschichte, wenngleich Frauen Geschichte in Geschichten codiert weitergaben und gestalteten. Gegenwärtig ist die Tendenz der Juristinnen, Rechtsanwältinnen und Staatsanwältinnen steigend und mit dem Anstieg der Frauen nicht nur in diesem Bereich wird sich proportional auch die Geschichte der Frauen, die Geschichte ganz allgemein und damit auch die Zukunft stark ver/ändern.

Unterstützt wird diese Bewegung durch die neuen Technologien, besonders der Informationstechnologien – eine neue transnationale Ordnung aus Netzwerken, Kommissionen, Regime und Mehrebenensystemen wissen Frauen immer mehr für sich zu nutzen.

Geschichte wurde lange Zeit gleichsam einseitig gesehen, gedacht und geschrieben – gleichsam wie auf einem Bein stehend. Dann wurde der männliche Blick durch den weiblichen ergänzt. Geschichte auf zwei Beinen sozusagen.

Um zur Wirklichkeit des Ganzen zu gelangen braucht es beide, beide Gegensätze.

Durch ein Drittes  ergänzt kommt die Geschichte nun in die gegenwärtigen Jahre.

War bisher der Blick tendenziell auf jene Macht gerichtet, die Krieg schafft, Siege mittels Vernichtung der Feinde legitimierte und glorifizierte, so wendet sich die Blickrichtung wieder auf das Lebendige, wendet sich von der Schattenseite der Lichtseite zu.

Erkämpft und mitgetragen wurde dieser Perspektivenwechsel von Frauen. Dabei war der Zugang der Frauen zur Bildung, der lange ausschließlich im Machtbereich der Kirche und des autoritären Staates lag ein wesentlicher Wirkfaktor. Symbolisiert wird dieser auch durch das Nicht-Hierarchische, das Vernetzte und die Körperlichkeit, die von der Idee der Idee fast vernichtet worden war.

Die moderne Physik gesteht ein, dass es wie bisher angenommen, keine strengen Naturgesetze gibt: Tendenzen, Möglichkeiten Wahrscheinlichkeiten sind die Parameter. Materie ist nicht aus Materie aufgebaut sondern Folge immaterieller Beziehung/en. Unauflösbar ist alles mit allem verknüpft – die Welt, die Wirklichkeit beruht auf einer ganzheitlichen Struktur. Der bisherige Glaubensatz Materie ist Voraussetzung für Beziehung ist ausgetauscht in Beziehung kreiert Materie. Die Denkräume des 19. Jh. wurden aufgrund der neuen Erkenntnisse kaum adäquat dem 21. Jh. angepasst – wir befinden uns in den Anfängen dieses Prozesses.

Die Definition bzw. der Übergang von toter Materie/lebendigen Organismen beruht nach wie vor auf veralteten klassischen Begriffen – denn wie die Physik es heute sieht, basieren Leben wie Tod auf immateriellen Beziehungen.

Gegenwärtig herrscht der Trend zur Erinnerung, was sich in Museen, Gedenkstätten u.a. zeigt. Zu interpretieren als noch einmal festhalten, ehe Altes, Vertrautes losgelassen werden muß? Das Neue kann nicht adäquat mit alten Kategorien beschrieben werden und die Qualität der KünstlerInnen und ihrer Werke ermöglicht eine neue Sicht/Interpretation der Tradition.

 

VI.
Welche Auswirkungen eine globale Demokratie, so sie jemals realisiert wird, haben wird, was sie ermöglichen wird und durch welche Symbole sie verkörpert werden wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Nationales und Übernationales friedlich vernetzt – eine Utopie? Die individualisierte Gesellschaft will Autonomie bei gleichzeitigem Schutz durch staatliche Wohlfahrtsinstitutionen, was Freiheiten aber auch Abhängigkeiten zeitigt. Soziale Kompetenzen (Zuwendung, Solidarität,…) reduzieren sich im Privaten.

Die Realität wird eine Netzwerkwirtschaft sein, in der es keine VerkäuferInnen und KäuferInnen geben wird sondern VersorgerInnen und KlientInnen. Das Rundum-Sorglos-Paket wird der Renner und jede Beziehung außerhalb des privaten Bereichs (Familie oder wie die Lebensform auch heißen möge) wird eine bezahlte Erfahrung sein. Anschaulich an dem Beispiel Auto: Jede/r hat das Auto geleast und diese Firma will die zufriedenen KlientInnen an sich binden und bietet also billigeren Benzin, billigere Reparaturen, bessere Inspektionen und Versicherungen sowie freies Parken in allen Städten, Autowäsche etc etc an.

Die Machtkonzentration dieser Netzwerke wird wesentlich größer sein als jene der bisherigen Marktwirtschaft und damit die Möglichkeit durch Medienkonzerne Ideen und Kultur zu kontrollieren. Kultur – Kommerz werden erst nach extremen Positionen kurzfristig einmal in ein Gleichgewicht kommen, ehe ein weiteres neues Zeitalter mit dem ihm eigenen Themen anbricht.

Rudolf de Cillia meint, dass „geschätzte 80% der auf Computer gespeicherten Information ist in Englischer Sprache abgespeichert. So keine starke Gegenströmung auftritt, wird es am Ende des 21.Jh. nur noch fünf Weltsprachen geben: Englisch, Chinesisch, Spanisch, Arabisch und Hindi. Deutsch u.a. hätten den Status regionaler Dialekte. Heute werden in zwischen 2500 und 8000 Sprachen gesprochen und zum Teil auch geschrieben. 30% dieser Sprachen sind in Afrika und Asien, weitere 20% im Pazifik, 16% auf dem amerikanischen Kontinent und 2% in Europa beheimatet. Die genannten 5 größten Sprachen werden von 45% der Weltbevölkerung gesprochen. Nur 155 Sprachen werden von mindestens 1 Mill. Menschen gesprochen.“

Der Stellenwert der Wahrung der Sprachenvielfalt scheint zumindest in Europa ein hoher zu sein, als Preis für die Vereinigung der Nationen und somit ein Faktor kultureller Vielfalt zu sichern. Denn jede Sprache ist nicht nur Kommunikationsmittel, ist nicht nur Symbole individueller und kollektiver Identität sondern auch Ausdruck von Weltanschauung, Denken und Wirklichkeitserleben.

Friedliche Multikulturalität stellt sich in einer Einheitskultur nicht mehr als Problem. Das Fremde, das Herausfordernde, das vielen BewohnerInnen europäischer Länder Angst macht und Abwehr erzeugt wäre dann der ersehnte Ausweg der Einbahn. Vielfalt bereichert das Leben.

In der deutschen Sprache werden nicht nur immer mehr Anglizismen aufgenommen, es werden auch neue Worte geschaffen mit sogenanntem plastikartigen Legocharakter, die ein Fachvokabular substantiver Art bilden, denen gemeinsam ist, dass sie Bewegungsbegriffe sind mit vorherrschendem Zukunftsaspekt, Entwicklungsbilder, die einen Handlungsdruck erzeugen (und aus dem naturwissenschaftlich-technisch-ökonomischen Bereich kommen). Herkömmliche soziale Normen verlieren an Bedeutung und werden durch keine neuen ersetzt. War bisher die Sprachkritik von wesentlicher Bedeutung so kommt diese nun der Bildkritik zu.

Kann anstatt von einer Informations- oder Wissensgesellschaft besser von einer Aufmerksamkeitsökonomie als Fundament für die Strukturen der auf Medien und vor allem auf digitalen Medien sich entwickelnden Gesellschaftsform gesprochen werden? 

Natürlich konnte Aufmerksamkeitsverlust bisher bereits tödlich sein – doch unter den neuen technischen Möglichkeiten und dem Tempo im Medienbereich gelangt die Inszenierung immer mehr ins Zentrum des Anliegens, um eben die Aufmerksamkeit der KonsumentInnen zu erreichen. Für die KonsumentInnen selbst gilt es die Aufmerksamkeit auf Wesentliches zu richten um optimal zu filtern und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hier kann zu einem philosophischen Diskurs angesetzt werden: relativiert sich das Richtige zum einfachen Resultat? Tempo vor Inhalt, Tempo vor Ethik? Wenn keine Zeit für fundierte Auseinandersetzung bleibt, Zugzwang besteht herrscht das Unbewusste, herrschen Vorurteile vor. Die Konsequenzen malen Sie sich bitte selbst aus. Ersparen sie mir das. Ich weise nur darauf hin, dass unser Unvermögen ausgelagert wird – dh Instanzen der Aufmerksamkeitsselektion werden virtuelle AgentInnen, Filterprogramme u.a.m. sein, ja sind es bereits.

 

VII.
Das menschliche körperliche Sinnessystem erfasst minimalste Ausschnitte der Welt. Durch technische Hilfsmittel kann diese Welt erweitert werden. Aber: Wer macht sich schon Gedanken über Wissenswert und/oder Wißbar, unterscheidet, setzt Prioritäten und Akzente? Zeitgemäß in zwei wunderbare Worte gefasst wie overnewsed and underinformed.  Wer fragt nach dem Preis, was dieses mehr bringt und kostet? Viele leiden nicht nur beruflich und privat unter information overload sondern auch über communication overload.
Die Zentren der Macht sind weiterhin als die Schwarzen Löcher der Informationsgesellschaft, die alles aufsaugen und nichts preigeben, zu verstehen. Die Frage stellt sich radikal: Wer lebt für uns unser Leben?

Bis die zuvor beschriebenen Technologien im Alltag dominieren, üben wir aufgrund unserer Umwelt und Umgebung, uns im immer besseren Erkennen von abstrakten Mustern, immer besser räumlich zu orientieren, Entscheidungen zu treffen und abstrakte Probleme zu lösen und können uns schneller Neues aneignen. Und die Frage stellt sich radikal: Was macht das Leben noch lebenswert?

Ist es die beinahe tödliche Langeweile, die trotz aller overloads eintritt, die paradoxerweise davor dazu geführt hat? Erleben wir, weil wir soviel gleichzeitig erleben (kochen, kommunizieren mit dem Kind, hören/sehen TV nebenbei und denken gleichzeitig über das Treffen morgen mit der Chefin nach während das Handy läutet)  dadurch gar nichts mehr? Weil ein Zuviel ein Gar-nichts-mehr ist.

Hinzugefügt sei, dass diese Themenstellung im Moment nur die sog. 20% Gewinnerinnen dieser Welt betrifft. 80% der Erdbevölkerung sind unter dem Einkommens- und Vermögensaspekt VerliererInnen. Und zweifelsohne sind es immer noch Frauen, die auf allen Ebenen weltweit verloren haben und weiterhin verlieren, darüber dürfen die wenigen Siege, die an dieser Stelle  gewürdigt seien, nicht hinwegtäuschen. Welche Aufmerksamkeit kommt den Frauen und ihren Forderungen und Wünschen weltweit politisch zu?

Im Wissenschaftsbereich ziehen lt Rötzer 2% der WissenschaftlerInnen bis zu 90% der Aufmerksamkeit ihrer KollegInnen auf sich. Für diesen Fall gilt: Was wir nicht wahrnehmen, darüber wissen wir nichts. Stellt sich die Frage: Welchen Illusionen hängen wir an bzw. nach? Inwieweit ist Kunst und Kultur ebenso davon betroffen, die Aufmerksamkeit zu erhalten und welcher Veränderungsprozess wird dadurch ausgelöst!
VIII.
Das Ideal für die Kids der dot.com-Welt ist nicht die Autonomie sondern das Gegenteil, Access – die Verbundenheit und Anbindung an das Netzwerk, zu dem der Zugang die Voraussetzung ist. 75% der Weltbevölkerung sind gegenwärtig von diesen Zugangsmöglichkeiten ausgeschlossen. Für jene, die das Kids-Alter überschritten haben hat ihre kommerzielle Verfügbarkeit rund um die Uhr zur Folge. Dass dies als keine Lebensqualitätssteigerung interpretiert werden kann, ist nachvollziehbar.

Es kommt auf jede/n einzelne/n und jene staatlich und wirtschaftlich produzierte Infra/Strukturen an, ob die IT sich als eine Bereicherung und/oder  als eine Substitution zur Auswirkung kommen wird.

Es besteht eine dringende Notwendigkeit, Begriffe wie Freiheit, Autonomie und Demokratie auf ihre alten und  neuen Inhalten kritisch und immer wieder zu hinterfragen und Zusammenhänge aufzudecken wie jene in der Pharmaindustrie: lag der Schwerpunkt bisher möglichst viele Medikamente mit höchster Gewinnspanne zu verkaufen (was am effizientesten mit vielen Kranken erreicht wurde) so wendet sich das Augenmerk auf gesund werden lassen und halten, damit die mit ihnen kooperierenden Krankenversicherungen und Krankenhäuser durch weniger Operationen, Medikamente etc. weniger Ausgaben haben und den damit errungenen erhöhten Gewinn nun denselben mit ihnen zum Dank teilen.

Die Zukunft findet durch unser gegenwärtiges Denken statt. Und beides stimmt: der Flügelschlag eines Schmetterlings in Japan kann einen Sturm in den USA hervorrufen und mit mathematisch errechneter Wahrscheinlichkeit wird die Welt von Menschen vernichtet werden. Die Old Economy hat physische Ressourcen zerstört (Erdöl, Tier- und Pflanzenarten, die Balance der Stoffe in der Atmosphäre u.a.m.). Ist die Gefahr der New Economy psychische und kulturelle Ressourcen (Zeit- und Beziehungen haben sowie Werte, Ideen, Konzepte) zu vernichten? Liegt in der Vergegenwärtigung des Problems die Chance? War früher Herrschaft über die Welt das Ziel, ist es heute die Verfügungsgewalt über unser Innen?

 

IX.
Männliches Wissenschaftsdenken trennte Rationalität und Emotionalität, stellte sie als Gegenpole dar, die einander bekämpften, ausschlossen. Dem Geist der Zeit entspricht nun die Erkenntnis, dass das Eine nicht ohne dem Anderen nicht nur nicht sein kann sondern auch nicht ist. Es gibt keine Wahrnehmung ohne Gefühl oder Erinnerung, es gibt kein Gefühl ohne Gedächtnis oder Denken, es gibt kein Wollen ohne Wahrnehmen, Erinnern oder Bewerten. (Ernst Pöppel)

Noch gibt es keine/kaum Visionen einer IT-Gesellschaft. Möge die Übung im obigen Sinn gelingen und eine Befriedung, ein kooperatives Miteinander von Vertrautem und Fremden, Dir und mir möglich sein. Friede mit euch und mit uns!

Machen wir uns bewusst, dass aus Kultur (Immaterielles) Struktur (Materielles) wird, nicht nur im Außen, auch im Innen, im Gehirn, ganz körperlich.

Wir kreieren uns und die nächste Generation und damit die Welt und deren Zukunft selbst. Dieses Wissen macht Angst, birgt es doch alle Möglichkeiten und alle Freiheiten.
Auf dem Totenbett erkennt Don Quijote plötzlich den „Unsinn und die Verworfenheit“ der gelesenen Bücher. Diese Einsicht, so klagt er, kommt sehr spät. Zu spät wohl nicht und doch: Was wäre anders gekommen, hätte er seine Erkenntnis früher gehabt oder gar nicht mehr in diesem Leben?

Was erkennen wir, seine Verwandten 311 Jahre später? Zu spät oder doch rechtzeitig?
Die Zukunft ist ständiger Veränderungen unterworfen, die Zukunft und die Zeit sind wir selbst. Wir sind ständiger Veränderungen nicht nur unterworfen, nein wir haben auch die Freiheit, diese zu gestalten. Jedes Ich schafft Raum und Zeit in der Welt in der sich das Leben prozesshaft entwickelt, es entwickelt werden kann. Und das Ich ist nicht isoliert, kann nie isoliert sein, verwebt, verwoben die Menschheit.