kritik: die zauberflöte – salzburg 2012

zum ersten mal spielte Concentus Musicus Wien (historische instrumente) unter der leitung von Nikolaus Harnoncourt im rahmen der Salzburger Festspiele 2012 die Zauberflöte. die premiere am 27.7. wurde von Ö1 (radio) life übertragen. die ORF-tv übertragung wird am 6.8. folgen.
warum eine kritik im labyrinth blog? die antwort folgt am ende.

die zauberflöte klang, wie Harnoncourt es wollte. jetzt habe ich das WIE erlebt.
der vorteil, ohne optische ablenkung den instrumenten, dem dirigat, den sprech-und gesangstimmen konzentriert  lauschen zu können, da der radioübertragung folgend, machte die schwächen der regie von Jens-Daniel Herzog (werner herzogs sohn) deutlicher hörbar, ist er doch für den tonfall der dialoge (exemplarisch der aggressiver und humorloser papageno), die atmopshäre, die personenführung verantwortlich.
manch platter gag konnte von den vereinzelt guten gags nicht aufgewogen werden und hauchten dem spiel kein wirkliches leben ein.
die differenz zwischen herzogs interpretation im interview und der aufführung ist eklatant. seine  interessante verbale gesellschafts/-bildungspolitische inhaltliche schälungsarbeit konnte er nicht umsetzen.
Gesanglich (siehe besetzung: http://www.salzburgerfestspiele.at/oper/die-zauberfloete-2012) wurden von pamina und der königin der nacht gute leistungen geboten. Manche vokalbetonungen taminos und (diiiies biiiildnis… , göööderbild,..) und papagenos waren für mich schier unerträglich.

Harnoncourts argumenten konnte ich manchmal zustimmen, ein anderes mal keinesfalls. ungereimtheiten blieben im raum.
es zeigt sich besonders an der zauberflöteninterpretation die grenze des analytischen verstandes: wo die musik das herz nicht erreicht, versagte die uminterpretation. ob es an den tradierten gehörgewohnheiten lag? wo auch immer sich die individuellen grenzen und offenheiten befinden: musikalisch ist etwas ungewöhnlich originelles und eigenwilliges gelungen. darin liegt die leistung des meisterdirigenten. eine gelungene neuinterpretation. doch: sie steht gleichberechtigt neben anderen hervorragenden aufführungen .

ein im irrgarten der zauberflötengeschichte verlorengegangener regisseur steht einem historisch authentischen dirigenten gegenüber. an diesem spannungsfeld ist die salzburger aufführung gescheitert.

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2 Responses to kritik: die zauberflöte – salzburg 2012

  1. Daiani sagt:

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  2. HELMUT LEISZ sagt:

    HERZLICHEN DANK FÜR DIE FAIRE KRITIK – ich wäre viel kritischer – da ich gestern teile der aufführung gesehen habe und vor ärger und zorn immer wieder zappen mußte – herr Nikolaus Harnoncourt weiß sicher was er tut – aber sich mit so einer regie einzulassen ist verrat – oder geldgier oder einfach ………….!
    die tonlichen qualitäten der aufführung waren für mich auch nicht befriedigend – das kann aber an meinem gerät liegen – die armen holzbläser spielten sehr schön – aber im vergleich zum blech – sehr unterbelichtet – akzente und dynamische unterschiede sind ja wichtig – aber immer wieder – wohl nicht notwendig – eher ermüdend!
    über diesen jubel des publikums kann ich mich nur wundern ….

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